hedvig-sofia-schiff_Im Fernsehen lief vor einiger Zeit eine spannende Dokumentation über ein gesunkenes Kriegsschiff in der Ostsee vor der Kieler Bucht. Das Schiff stammte aus dem späten 17. Jahrhundert und hieβ „Prinsessan Hedvig Sofia“, benannt nach einer schwedischen Prinzessin. Es versenkte sich im Großen Nordischen Krieg im Verlauf der Seeschlacht von Fehmarn im April 1715.

Nun zeigte das Schleswig-Holsteinische Landesmuseum Schloss Gottorf 2015 eine Ausstellung über jenes Schiff und die historischen Zusammenhänge. Da ich mich besonders für die Frühe Neuzeit und Skandinavische Geschichte begeistere, war der Besuch der Ausstellung natürlich ein Muss.

Die Ausstellung erklärte die historischen Ereignisse und Ursachen, die zum Großen Nordischen Krieg führten, bei dem es um die Vorherrschaft im Ostseeraum ging. An den kriegerischen Handlungen waren Schweden, Dänemark-Norwegen, Russland und Polen-Sachsen beteiligt. Auf dem Weg durch die Ausstellung begleitete den Besucher ein Tablet, mit dessen Hilfe man an verschiedenen gekennzeichneten Punkten vertiefende Informationen erhalten kann. Wir fanden dieses Hilfsmittel sehr praktisch, weil wir so in Ruhe Texte lesen und Bilder anschauen konnten.

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Tablet für weitere Informationen

Die Ausstellung

Zunächst lernte der Besucher das Schiff „Prinsessan Hedvig Sofia“ kennen, das 1692 in Karlskrona erbaut wurde. Die Schiffsbaumeister waren die Brüder Francis John (1660 – 1692) und Charles (1665 – 1739) Sheldon. Das Kriegsschiff zweiten Ranges (bestimmt nach Anzahl der Bordgeschütze) bestand aus Eichenholz, war ein Dreidecker und war mit etwa 80 Kanonen besetzt. Die Mannschaft bestand aus ungefähr 470 bis 480 Mann, Offiziere, Matrosen und Seesoldaten. Das Schiff hieβ zunächst nach der Königin „Ulrika Eleonora“, 1694 erfolgte die Umbenennung in „Wenden“ und bald darauf erhielt es den Namen „Prinsessan Hedvig Sofia“. Sie nahm an den wichtigsten Seegefechten jener Zeit teil, wie dem 1710 in der Køgebucht gegen die dänische Flotte. Ihr letztes Gefecht erlebte die „Hedvig Sofia“ als Flaggschiff unter dem Befehl des Konteradmirals Graf Carl Hans Wachtmeister 1715 vor der Insel Fehmarn, dabei erhielt sie mindestens zwölf Treffer. Für die schwedische Flotte äusserst endete die Seeschlacht äusserst verlustreich, wobei Wachtmeister schlieβlich befahl, die stark beschädigte „Prinsessan Hedvig Sofia“ zu versenken. Über die Jahre geriet das einstige Flaggschiff in Vergessenheit und wurde zufällig 1970 von dem Taucher Rolf Lorenz entdeckt. Durch dendrochronologische und weiteren Untersuchungen gelang die Datierung des Wracks werden und mit Hilfe von schriftlichen Dokumenten auch die Identifikation. Mittlerweile steht die Fundstelle unter Denkmalschutz.

hs4An Bord

Es ging nicht nur um die großen Herrscher jener ereignisreichen Epoche, auch das Leben der Schiffbesatzung bekommt Raum. Viele Fundstücke dokumentieren den harten Alltag an Bord des Schiffes.  Die Besatzung bestand aus dem Kapitän, den Offizieren, Decksoffizieren, Matrosen und Seesoldaten. Auf die Schiffe kamen die Männer zum einen durch die allgemeine Wehrpflicht, außerdem konnte man in den Dienst der Marine gepresst werden. Matrosen der aufgebrauchten Schiffe übernahm man in den Dienst und dazu gab es Söldner. Folglich arbeiteten Männer aus verschiedenen Ländern auf den Schiffen und dementsprechend groß war die Sprachvielfalt. Neben Schwedisch gab es ebenfalls Französisch, Englisch und Niederländisch zu hören. Ebenso vielfältig sind die Berufe an Bord. Die Matrosen manövrierten das Schiff, der Skipper wartete und pflegte das Schiffszubehör, gab Ersatzteile aus und organisierte die Reinhaltung des Decks. Einen sehr wichtigen Posten hatte der Steuermann, meist weitgereiste Männer, die sich mit gut mit den Küstenlinien und Untiefen auskannten. Sie halfen dem Kapitän bei der Berechnung des Kurses. Außerdem gab es noch den Schiffsschreiber, einen Zimmermann, einen Koch sowie einen Arzt. Für Kanonen und Munition waren Gefechtsmeister zuständig. Über den Alltag an Bord gibt das Journal des norwegischen Matrosen Nils Trosner Auskunft. Trosner diente in den Jahren 1710 bis 1714 auf verschiedenen Schiffen der dänisch-norwegischen Marine.

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An einer Hörstation konnte sich die Besucher Auszüge des Tagebuchs in verschiedenen Sprachen anhören. Der Ausstellungsbereich zum Leben am Bord war eher dunkel gehalten und ein bisschen beengt, so dass man zumindest einen Eindruck davon bekam, wie sich die Besatzung unter Deck gefühlt haben mochte. Im Hintergrund hörten wir Stimmen und Gefechtslärm, es ist sehr eindrucksvoll.

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Prinsessan Hedvig Sofia

Hedvig Sofia

Die Namensgeberin ist die älteste Tochter des schwedischen Königs Karl XI. und dessen Gemahlin Ulrika Eleonora der Älteren. Hedvig Sofia erblickte 1681 in Stockholm als erstes von drei überlebenden Kindern das Licht der Welt. Ihre jüngeren Geschwister sind der zukünftige König Karl (XII.) und Ulrika Eleonora. Vier weitere Geschwister versterben noch als Kleinkinder. Als 1693 die Königin stirbt übernimmt die Großmutter Hedvig Eleonora die Erziehung der Mädchen. Für die damalige Zeit erhielten die Schwestern für weibliche Mitglieder eines Herrscherhauses eine recht solide Ausbildung. Die Schwerpunkte lagen auf höfischen Umgangsformen, Sprachen, Musik, Zeichnen, Religion und Tanz. Die Ausbildung endete mit der Konfirmation. Karl XI., der seinen Kindern sehr zugetan ist, stirbt 1697. Sein Sohn und Nachfolger ist gerade 15 Jahre alt. Zu den Aufgaben, mit denen er sich nun befassen muss, gehört auch eine günstige Verheiratung seiner Schwester Hedvig Sofia. Bereits seit längerer Zeit bemüht sich Friedrich, ein Cousin aus dem Hause Schleswig-Holstein-Gottorf um die junge Prinzessin. Die jungen Leute kennen sich, da sich Friedrich schon einige Male am schwedischen Hof aufhielt, wenn sich der Gottorfische Hof ins Exil begeben musste. Es geht dabei vermutlich weniger um tief empfundenen Liebe, als vielmehr um Bündnispolitik. Karl XII. willigt schließlich ein und 1698 kann die Verlobung bekannt gegeben werden. Der Herzog genießt in Schweden allerdings kein hohes Ansehen, soll er doch den jungen König zu allerlei waghalsigen Unternehmungen und Saufgelagen anstiften – auch bekannt als „Gottorfische Raserei“. Nach der Vermählung reist das Paar zu ihrer Residenz nach Schleswig, kehrt aber 1699 zurück, da die Spannungen mit Dänemark zusehends heftiger werden.

Nur ein Jahr später marschierten dänische Truppen in das Herzogtum Schleswig ein und ein Krieg begann, der als der „Große Nordische Krieg“ in die Geschichtsbücher einging. Karl XII. und sein Schwager Herzog Friedrich zogen ins Kampfgeschehen, der junge Herzog ließ seine schwangere Frau in Stockholm. Ob die Ehe glücklich war ist fraglich, Friedrich galt als Frauenheld. Am 19. April 1700 kam der Sohn von Hedvig Eleonora und Friedrich in Stockholm zur Welt, seinen Vater lernte Karl Freidrich nicht kennen. Jener fiel 1702 bei der Schlacht von Klissov, die junge Witwe reiste nicht zur Beisetzung. Hedvig Eleonora übertrug ihrem Schwager Christian August die Leitung und Verwaltung des Herzogtums Schleswig-Holstein-Gottorf, behielt aber ein Mitspracherecht. Obwohl sich ihr Bruder dafür aussprach, dass sie mit ihrem Sohn auf Gottorf residieren sollte, entschied sich die junge Frau dafür, in Schweden zu bleiben. Ihr lagen ihr Sohn und dessen Erziehung am Herzen und beauftragte Arvid Horn, einen der wichtigsten schwedischen Politiker, mit der Aufsicht darüber. Im Alter von sechs Jahren erkrankte Karl Friedrich an den sogenannten Kinderpocken, seine Mutter pflegte ihn und steckte sich dabei an. Sie starb mit nur 28 Jahren. Karl XII. erfuhr vom Tod seiner Schwester auf der Flucht ins Osmanische Reich.

Fazit

Die Ausstellung gefiel uns sehr gut, die kleinen Tablets machten es möglich, sich entspannt durch die Räume zu bewegen und sich dort zu informieren, wo man Interesse hatte. Trotz aller Technik beeindruckten mich die alten Gewänder, dabei besonders die Replik der Uniform Karls XII. (diese Stiefel – wahre Knobelbecher). Sehr hübsch ist auch das Harlekin-Kostüm, das Königin Ulrika Eleonora bei einem Kostümball 1656 trug.

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Literatur:

Kirsten Baumann, Ralf Bleile (Hrsg.), Von Degen, Segeln und Kanonen – Der Untergang der Prinzessin Hedvig Sofia, Dresden, 2015.

 

 

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