kugel-weihnachtenEs war einmal ein wunderschöner kleiner Weihnachtsbaum. Der stand in all seiner Pracht in einem gemütlichen Wohnzimmer und erfreute die großen und kleinen Menschen, die dort wohnten. An dem Baum hingen lauter schöne Kugel, eine kleine davon war ganz neu und sie funkelte stolz im Kerzenlicht. Alles was sie während der Feiertage sah fand sie sehr aufregend, und so freute sich die kleine Kugel über die fröhlichen Kinder, die mit ihrem neuen Spielzeug um den Weihnachtsbaum herumtobten.

Doch dann gingen die Weihnachtstage vorbei und die Menschen machten sich daran, den Baum abzuschmücken. Das verwirrte die kleine Kugel: „Wir haben es doch schön hier am Baum, wieso nehmen die Menschen uns denn nun wieder herunter?“ Eine der älteren Kugeln, die sich auskannte brummte: „Das ist jedes Jahr so. Nun verschwinden wir bis zum nächsten Weihnachtsfest in einem Karton auf dem Dachboden.“ Diese Vorstellung gefiel der kleinen Kugel nicht, sie versuchte, sich noch kleiner zu machen und hinter den grünen Tannenzweigen zu verstecken. Und sie hatte Erfolg, die Menschen übersahen sie. „Hach!“ freute sich die Kleine, „nun habe ich es weiter mit dem Tannenbaum lustig in der Stube.“ Da aber ging ein Gerüttel durch den Baum, schwubbs hob der größte Mensch den Baum hoch und warf ihn aus dem Fenster in den Garten. Von da aus ging es weiter zu einer Weihnachtsbaumsammelstelle.

„So hatte ich mir das aber nicht vorgestellt“, dachte die kleine Weihnachtsbaumkugel. Es dämmerte und kalt war es auch. Da fiel ein Schatten auf die Kugel und zwei dunkle Augen schauten sie interessiert an. Ein großer schwarzer Vogel hatte sich zu ihr auf den Tannenzweig gesellt: „Du bist ja ‚ne Hübsche“, stellte er fest, „du passt gut in die Glitzerding-Sammlung meiner Cousine.“

Vorsichtig pickte der schwarze Vogel gegen die Kugel, um sie vom Zweig zu bekommen. „Hey!“ empörte sich die Kleine, „lass das! Wer bist du eigentlich?“ „Man nennt mich Krischan Rabe. Und du kommst mit zu Elsbeth in die Sammlung“, krächzte er, wobei er eifrig weiter am Zweig herumzupfte. „Aber ich will doch gar nicht!“ Doch da kullerte die Kugel bereits vom Zweig und rollte und die Bäume. Erfreut hüpfte der Rabe hinterher und versuchte, seine Beute in den Schnabel zu bekommen. „Jetzt habe ich dich, da wird Elsbeth große Augen machen!“ freute er sich schon. Da aber kam der Fuchs vorbei, der etwas Essbares suchte. „Na, wen haben wir denn hier – Krischan Rabe.“, knurrte er den Vogel an, „Bist du wieder auf der Suche nach Glitzerzeug?“ „Du weißt doch wie meine Cousine ist, die liebt solches Zeug. Dafür bekomme ich ein feines Abendessen“, antwortete der Rabe. Die kleine Weihnachtsbaumkugel räusperte sich: „Wenn ich auch mal etwas dazu sagen darf!? Ich will in keine Glitzersammlung! Ich bleibe am Baum, hier gefällt es mir.“ „Aber es ist doch ungemütlich in dieser dunkeln zugigen Ecke“, brummte der Fuchs, der keine Lust auf Diskussionen hatte. „Komm‘ doch mit uns in den Wald. Und wenn du den Baum nicht allein lassen magst, nehmen wir ihn eben mit“, fügte er hinzu. Die Kugel überlegte kurz, der Fuchs hatte Recht, es war ungemütlich hier und vielleicht war es im Wald ja ganz nett. Schließlich seufzte sie und nickte, oder besser hüpfte zustimmend. „Gut, dann warte hier, ich hole meinen Kumpel den Dachs, er wird mir helfen, den Baum in den Wald zu bringen“, erklärte der Fuchs und verschwand. Rabe und Kugel blieben zurück, sie versteckte sich hinter einem Zweig, damit der Rabe nicht doch noch auf dumme Gedanken kam. „Du brauchst keine Angst haben, ich tue dir schon nichts“, grummelte er, „ auf Ärger mit Fuchs und Dachs kann ich gut verzichten.“ Erleichtert schaute die Kugel zwischen den Zweigen hervor, als sie die beiden kommen hörte. „Als ob wir im Wald nicht schon Bäume genug hätten“, murmelte der Dachs. „Aber“, entgegnete der Fuchs, „keiner hat so eine hübsche Kugel. Und sie geht anscheinend nicht ohne Baum mit uns. Also lass ihn uns in den Wald tragen.“ Krischan Rabe krächzte dazwischen: „Und der Baum hat auch noch seine Wurzeln! Schaut mal unter die Jute. Die Menschen sind doch dumm, sie hätten ihn in ihren Garten pflanzen können.“ „Vielleicht wollten sie das gar nicht, heute bekommst du doch überall solche Bäume“, vermutete der Dachs. Dann schulterten er und der Fuchs das Bäumchen samt Kugel und gingen Richtung Wald davon, Krischan folgte ihnen flatternd.

An einer Lichtung machten sie Halt und stellten die Tanne ab. „Und was nun?“ fragte der Rabe. „Nun“, antwortete der Fuchs, „buddeln diejenigen, die nicht den ganzen Winter verschlafen, ein Loch für die Tanne.“ Bei seiner Ansprache konnte er sich einen etwas vorwurfsvollen Blick Richtung Laubhaufen nicht verkneifen, denn dort träumte Familie Igel vom Sommer.

Und so buddelten schließlich das hektische Eichhörnchen und der gemütliche Maulwurf ein Loch für die Wurzeln des Weihnachtsbaumes. Krischan fragte ungeduldig: „Ist ja alles gut und schön, aber was soll das alles?“

Darauf antwortete der weise Dachs: „Du magst es nicht bemerkt haben, aber auch für uns Tiere im Wald ist die Weihnachtszeit eine besondere Zeit, in der es friedlich zugeht. Früher begingen auch die Menschen diese Zeit, in der die Tage beginnen wieder länger zu werden, länger als heute, nämlich zwölf Nächte. Diese Zeit nennt man auch Rauhnächte.“ Die kleine Kugel im Tannenbaum bemerkte schüchtern: „Also die Menschen hatten viele Lichter im Baum und fanden das sehr hübsch. Und dazu noch mehr Schmuck als nur mich.“ „Eine gute Idee“, fand der Fuchs, „wir sammeln schöne Tannenzapfen und Beeren, damit schmücken wir das Bäumchen.“ Und so machten sich die Tiere des Waldes auf, Dinge zu suchen, mit denen sie ihr Weihnachtsbäumchen schmücken wollten. Am Abend in der Dämmerung schmückten sie ihn mit verschiedenen roten Beeren, großen und kleinen Tannenzapfen, Nüssen und kleinen roten Äpfeln. „Wie schön“, flüsterte ein kleines Eichhörnchen. Der Dachs sagte zur kleinen Kugel: „Was meinst du, ist es weihnachtlich genug?“ „Es ist wunderbar“, rief sie und freute sich, dass sie nun noch einmal das schöne Fest mitfeiern konnte. Alle Tiere, die gerade keinen Winterschlaf hielten, versammelten sich auf der Lichtung und die Weihnachtsbaumkugel erzählte von ihrem Weihnachtsfest mit den Menschen und den vielen Lichtern, die es da zu bestaunen gab. Gerade als der Fuchs ein wenig traurig bemerken wollte, dass sie im Wald mit Lichtern nicht dienen könnten fiel eine Sternschnuppe herab und setzte sich auf die Tannenbaumspitze. Da wurden sie alle ganz andächtig und die kleine Kugel stimmte das Lied „Stille Nacht“ an, das sie bei den Menschen gelernt hatte. Die Waldtiere hörten gut zu und fielen bald in das Lied ein.

Damit ist die Geschichte noch nicht vorbei, denn was wäre Weihnachten ohne ein schönes Essen. Daran hatten Fuchs und Dachs nämlich noch gedacht und neben dem Bäumchen verschiedene Leckereien, die sie im Wald und in der benachbarten Kleinstadt gefunden hatten, aufgebaut. So konnten es sich nun alle wachen Waldbewohner schmecken lassen und sogar Rabe Krischan war zufrieden.

 

 

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