Während eines Besuches in Flensburg wollte ich die St. Nikolai Kirche besuchen. Dabei entdeckte ich eine liebevoll gestaltete Ausstellung über den Namenspatron der Kirche. Knecht Ruprecht, der Begleiter des heiligen Mannes, erklärte auf Bildern wer der Nikolaus ist, woher er stammt und seine Bedeutung für die Kinder.

nikolaus-schiff

nikolaus-ausstellungDer heilige Nikolaus war Bischof in Myra, das in der heutigen Türkei liegt. Die Kirche in der er im vierten Jahrhundert wirkte gibt es noch, sie ist allerdings recht verfallen. Der Legende wollten Seeräuber die Kinder von Myra als Bezahlung für dringend benötigtes Getreide akzeptieren. Der Bischof gab den Räubern Gold und Silber aus der Kirche und rette so die Kinder vor der Sklaverei. Eine weitere Geschichte weiß zu berichten, wie Nikolaus drei arme Mädchen davor, sich an Männer verkaufen zu müssen. Dafür warf er nachts Geld oder goldene Äpfel durch ihr Fenster in die Socken vor dem Kamin. Seither gilt der Nikolaus als Beschützer der Kinder.

Knecht Ruprecht legt in der Ausstellung viel Wert darauf, dass der Heilige nicht als Kinderschreck, sondern als Freund der Kinder wahrgenommen wird. Und natürlich weist er deutlich auf den Unterschied zwischen Weihnachtsmann und Nikolaus hin, denn der Nikolaus lebte wirklich, während der andere ja eher eine ausgedachte Figur ist.

Über sich selbst erzählt Knecht Ruprecht übrigens auch in der Ausstellung. Er gilt als der dunkle Begleiter des heiligen Mannes, besonders in früherer Zeit als Kinderschreck, der bestraft. Dabei ist er nicht nur als Knecht Ruprecht bekannt, er kann auch als Krampus, Beelzebub oder Schmutzli den Nikolaus begleiten. Über den Knecht Ruprecht schrieb Theodor Storm dieses bekannte Gedicht:

Knecht Ruprecht

Von drauss’ vom Walde komm ich her;
Ich muss euch sagen, es weihnachtet sehr!
Allüberall auf den Tannenspitzen
Sah ich goldene Lichtlein sitzen;
Und droben aus dem Himmelstor
Sah mit großen Augen das Christkind hervor,
Und wie ich so strolcht’ durch den finstern Tann,
Da rief’s mich mit heller Stimme an:

„Knecht Ruprecht“, rief es, „alter Gesell,
Hebe die Beine und spute dich schnell!
Die Kerzen fangen zu brennen an,
Das Himmelstor ist aufgetan,
Alt’ und Junge sollen nun
Von der Jagd des Lebens einmal ruhn;
Und morgen flieg’ ich hinab zur Erden,
Denn es soll wieder Weihnachten werden!

Ich sprach: „O lieber Herr Christ,
Meine Reise fast zu Ende ist;
Ich soll nur noch in diese Stadt,
Wo’s eitel gute Kinder hat.“ –

„Hast denn das Säcklein auch bei dir?“

Ich sprach: „Das Säcklein das ist hier:
Denn Äpfel, Nuss und Mandelkern
Fressen fromme Kinder gern.“ –

„Hast denn die Rute auch bei dir?“

Ich sprach: „Die Rute, die ist hier:
Doch für die Kinder nur, die schlechten,
Die trifft sie auf den Teil den rechten.“

Christkindlein sprach:„So ist es recht;
So geh mit Gott, mein treuer Knecht!“

Von drauss’ vom Walde komm ich her;
Ich muss euch sagen, es weihnachtet sehr!
Nun sprecht, wie ich’s hier innen find’!
Sind’s gute Kind’, sind’s böse Kind’?

Nikolaus und die Nikolai-Kirchen

Nicht nur für die Kinder ist der Bischof ein wichtiger Heiliger, er ist auch Schutzpatron der Seefahrer, deswegen gibt es gerade in Küstenstädten Nikolaikirchen. So ist es auch in Flensburg, die mit der Ausstellung ihren Namensgeber ehrt.
impressum

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