Vor einiger Zeit schrieb ich hier über die Kirche zu Hütten und verwies dabei auf den Marienaltar, der heute im Museumsberg in Flensburg zu besichtigen ist. Nun ist es mir endlich selbst gelungen, mir den Altar anzuschauen – und ich war (bin) beeindruckt.
Im August besuchte ich meinen Bruder und dessen Familie in Flensburg und an einem Vormittag machten wir beide uns dann auf den Weg ins Museum.

Der Museumsberg Flensburg ist insgesamt ein sehenswertes Museum, in dem man viel über die Stadt(-entwicklung) und die Region erfahren kann. Die untere Etage mit den vielen ausgestopften Tieren sagte mir nicht so sehr zu, was nichts mit der Ausstellung zu tun hat, eher mit den vielen toten Tieren.

Dafür fand ich die schön rekonstruierten Bauernstuben umso interessanter, ebenso das Kinderspielzeug und den Raum mit den Schulmöbeln aus vergangener Zeit. Die Flensburger Geschichte war ebenso sehenswert aufbereitet und wir lasen uns immer wieder am Zeitstrahl fest. Weiter ging es zu den Biedermeierstuben, wo uns besonders die alten Öfen gefielen. Schließlich gelangten wir in die Mittelalter-Abteilung, die hatten wir uns mehr oder weniger beabsichtigt für den Schluss aufgehoben. Im letzten Raum stand er dann endlich, der Marienaltar, der bis ins 19. Jahrhundert der Kirche zu Hütten gehörte. Ich muss zugeben, so prachtvoll hatte ich ihn nicht erwartet, schon gar nicht, wenn man sich vor Augen führt, dass der Altar in einer kleinen Dorfkirche stand. Da besaß die Kirche zu Hütten ein besonderes Kleinod.

marienaltar-iii

Marienaltar

 

Laut Erklärung auf der Homepage der Kirchengemeinde Hütten ließ Herzog Friedrich I. (1471 – 1533) den qualitativ hochwertigen Flügelaltar mit fünf Feldern in der Kirche aufstellen. Das 1517 in Köln gefertigte Werk zeigt im Hauptfeld eine Mondsichel-Madonna mit dem Jesuskind, sie wirkt nachdenklich, während das Kind lächelt. Die beiden sind von einem Strahlen- und Rosenkranz umgeben und dazu von den zwölf Aposteln. Als Typus ist die Mondsichel-Madonna seit dem 15. Jahrhundert populär, älteren Marienfiguren fügte man mitunter sogar eine Mondsichel hinzu.

mondsichelmadonna


Auf den bemalten Außenseiten des Altars ist die Verkündigung Mariä abgebildet. Die beiden Seitenflügel zeigen innen in den oberen Feldern die Begründer des Benediktiner- und Franziskanerordens, außerdem befindet sich im linken Feld die Heilige Barbara (dargestellt mit ihrem Attribut dem Turm) und im rechten vermutlich die Heilige Cäcilie, wenn ich ihr Attribut, die Orgel richtig erkenne. In den Feldern darunter sind die geistlichen und weltlichen Vertreter dargestellt.

marienaltar-seitenflugel-links

marienaltar-hauptfeld

marienaltar-seitenflugel-rechts

Unter dem Hauptfeld befindet sich die Predella, also ein Gemälde unterhalb des Altars. In diesem Fall ist die Ankunft und die Marter der Ursula und weiterer 11.000 Jungfrauen im 4. oder 5. Jahrhundert in Köln zu sehen, wobei der Bezug zum Herstellungsort des Altars gegeben ist.

marienaltar-predella

Laut Legende befand sich Ursula mit den 11.000 Jungfrauen auf der Rückreise von einer Pilgerfahrt nach Rom. In Köln wurden die Frauen von Hunnen überfallen und getötet. Die Legende ausführlich: Ursula von Köln und 11.000 Gefährtinnen.

Um 1860 gelangte der Marienaltar in das Städtische Museum Flensburg, die Kirchengemeinde war schon sehr lange protestantisch und es stellte sich vermutlich die Frage, was man mit einem katholischen Marienaltar anfangen sollte. Zudem musste so ein altes Stück auch gepflegt und restauriert werden. Wie die Website der Hüttener Kirche schreibt geschah der Verkauf an das Museum: „Unter der Hand“. Zwischendurch befand sich der Altar nach Kopenhagen, ich meine wegen einer Restaurierung, aber da muss ich mich vor Ort mal genauer erkundigen. Wahrscheinlich werde ich im Dezember nochmal den Museumsberg besuchen und mir dabei den Altar wieder anschauen.

marienaltar-ii

 

Literatur:
Museumsberg Flensburg

Kirchengemeinde Hütten

Ökomenisches Heiligenlexikon

Das grosse Kunstlexikon von P.W. Hartmann

 

 

 

Advertisements