Museumsberg Flensburg

Museumsberg Flensburg

Im Februar besuchte ich meine Lieben im Norden, dazu gehört auch ein Abstecher nach Flensburg zur Familie meines Bruders, wo ich ein paar Tage verbrachte. An einem Dienstag besuchten die Freundin meines Bruders, die Baby-Nichte und ich die Ausstellung „In der Bar zum Krokodil. Die Schlagerwelt der zwanziger Jahre“ im Museumsberg.

Zu sehen gab es die originalen Titelblätter der Notendrucke, oft sehr schön illustriert und künstlerisch. Nicht immer haben die Bilder etwas mit dem Schlager zu tun. Deutlich sicht- und spürbar wird das Lebensgefühl der zwanziger Jahre,  wo sich die Gesellschaft nach dem ersten Weltkrieg eine Zeitlang im Aufbruch befand. So ist denn auch die moderne junge Frau ein beliebtes Titelblattmotiv, gern mit dem berühmten Bubikopf. Denn gerade für Frauen änderte sich viel. Da im Krieg viele junge Männer umkamen, ergaben sich, so hart es auch klingt, neue berufliche Möglichkeiten. Denn es mangelte an männlichen Arbeitskräften und durch einen deutlichen Frauenüberschuss ergab sich nicht mehr zwangsläufig der typische Weg als Hausfrau und Mutter.

Mir fiel bei den Titelblättern der Name Beda auf, der häufig als Texter genannt wird. Eigentlich hieß der österreichische Librettist Friedrich Löhner und war in den zwanziger Jahre einer der gefragtesten und beliebtesten Schlagertexter. Eine kleine Auswahl seiner Werke sind: „In der Bar zum Krokodil“, „Laila“ und „Ausgerechnet Bananen“, der deutsche Text zu „Yes! We have no Bananas“.

In der Ausstellung gibt es an mehreren Stationen die Möglichkeit, sich einige der Songs anzuhören, was einem die Zeit noch etwas näher bringt. Vertiefende Informationen zur Zeit zwischen dem ersten Weltkrieg und den dreißiger Jahren sind auf Tafeln nachzulesen. In den Dreißigern ändert sich die politische Situation bekanntlich dramatisch. Die Lockerheit des vorherigen Jahrzehnts verschwindet und damit auch die neue, moderne Frau. Viele der Künstler, die in den zwanziger Jahren erfolgreich und beliebt waren, wurden nun verfolgt, weil sie Juden waren. Zu den Opfern des Nationalsozialismus zählt auch Friedrich Löhner.  Er wurde 1942 in Auschwitz ermordet.

Die zwanziger Jahre waren eine wilde Zeit, neue Musik und Tanzstile fanden ihren Weg in die Weimarer Republik. Waren sogenannte „Wackeltänze“ im Kaiserreich noch anstößig und sogar verboten, galt das in der Republik nicht mehr. Viele Schlagertexte sind frech, gar frivol und bissig.

 

Zur Ausstellung gibt es ein Rahmenprogramm mit musikalischen Veranstaltungen, Tanzkursen und Workshops für Cocktails. Ich ärgere mich etwas, dass ich im Museumsshop das Büchlein mit den Anziehpuppen mit der Mode der Zwanziger nicht gekauft habe.

Bis zum 8. Mai ist die Ausstellung noch zu sehen.

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