Teil I

Im vergangenen Jahr jährte sich am 24. November der Todestag der schwedischen Königin Hedvig Eleonora zum 300. Mal. Beinahe hätte diese Prinzessin von Schleswig-Holstein-Gottorf (1636 -1715) den Herzog von Mecklenburg-Güstrow geheiratet und ihre ältere Schwester Magdalena Sibylla den König von Schweden. Doch es kam anders für die als „en skön liten dygdig och synnerligen hjärtans behaglig puppa!”(„eine schöne, kleine tugendhafte und besonders herzensgute Puppe“) beschriebene junge Frau.

Königin von Schweden

Hedvig Eleonora

Hedvig Eleonora, gemalt von David Klöcker Ehrenstrahl

Im Konkurrenzkampf um die Vorherrschaft im Ostseeraum suchte Schweden einen Verbündeten im Norden, und so erschien eine eheliche Verbindung zwischen Schweden und dem Herzogtum Holstein-Gottorf sinnvoll. Schließlich hatten die Gottorfer ebenfalls ihre Schwierigkeiten mit ihrem Lehnsherrn Dänemark. Die abgedankte Königin Kristina schlug ihrem Cousin und Nachfolger Karl X. Gustav (1622 – 1660) als Gemahlin Magdalena Sibylla von Holstein-Gottorf vor, in Frage kam aber auch deren Schwester. Der König entschied sich nach Beratungen und Ansicht von Gemälden der beiden Schwestern schließlich für Hedvig Eleonora, ”ett behagligt och täckt fruntimmer” (ein gefälliges und liebreizendes Frauenzimmer) stellte Karl X. Gustav fest.

Am 24. Oktober, dem Geburtstag Hedvig Eleonoras, 1654 heiratete der König von Schweden seine Cousine dritten Grades mit viel Prunk und Pomp. Der Gottorfer Hofmaler Jürgen Ovens hielt die Bettlegung in einem Gemälde fest. Drei Tage später erfolgte die Krönung Hedvig Eleonoras in der Storkyrkan in Stockholm. Bald nach der Hochzeit zog Karl X. Gustav in den Krieg gegen Polen. Seine junge Gemahlin blieb zunächst in Schweden, im November 1655 brachte sie Thronfolger Karl (XI.) zu Welt. Nur wenige Monate darauf folgte sie ihrem Mann ins Feld und kehrte erst im Herbst zurück. Auch in den folgenden Jahren begab sie die junge Königin auf Reisen, um ihren Ehemann zu treffen, der sich fortwährend auf Feldzügen befand. Karl X. war ein erfolgreicher Feldherr, ihm gelangen Siege gegen Polen und Dänemark. Anfang 1660 trafen sich die schwedischen Stände zum „riksdag“ („Reichstag“) in Göteborg, dort erkrankte der König schwer an einer Lungenentzündung und starb am 13. Februar. Mit nur 24 Jahren war Hedvig Eleonora Witwe.

Königinwitwe

Wie es ihr Mann in seinem Testament verfügt hatte, bildete Hedvig Eleonora zusammen mit den fünf höchsten Beamten des Reiches die „förmyndarregering“ (Vormundschaftsregierung). Dennoch lag dem Hochadel sehr daran, sie von den Regierungsgeschäften fernzuhalten. Schließlich waren die Aristokraten darauf bedacht, ihre eigenen Belange durchzusetzen. Die junge Witwe stand hinter Reichskanzler Magnus Gabriel De la Gardie, hielt sich in politischen Belangen allerdings eher zurück, war aber an den Vorgängen interessiert und nahm an den „rådssammanträde“ (den Sitzungen des Rates) teil. Dabei lag ihr natürlich die Sicherung der Position ihres Sohnes besonders am Herzen. Es gibt den Vorwurf, sie habe Karl (XI.) mit ihrer Vorsicht verzärtelt. Dennoch ging er seinen Weg, obwohl zunächst als linkisch und ungebildet verspottet (er hatte große Schwierigkeiten beim Schreiben, vermutlich war er Legastheniker, was ihm aber nicht die Intelligenz abspricht). Ihm gelang es letztendlich, die übergroße Macht des Hochadels zu brechen und als Alleinherrscher zu regieren. 1693 stimmte der „riksdag“ einer Bestimmung zu, die Karl XI. zum absoluten Herrscher erklärte.

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Hedvig Sofia und Herzog Friedrich IV. von Holstein-Gottorf, gemalt von David von Krafft

Aus dem Hause Gottorf stammend blieb die Haltung der Königinwitwe Dänemarkgegenüber zeitlebens schwierig. Das bekam besonders ihre spätere Schwiegertochter Ulrika Eleonora (1656 – 1693) zu spüren. Die dänische Prinzessin wurde mit Karl XI. nach dem Ende der Schonischen Kriege (1675 – 1679) verheiratet, um die Feindseligkeiten zwischen den Reichen zu überwinden. Zu ihren Verwandten pflegte Hedvig Eleonora ein enges Verhältnis, korrespondierte mit ihnen und hatte oft Besuch. Um ihre verwaisten Enkelkinder kümmerte sie sich ebenfalls. Für Karl (XII.) war sie dabei eine durchaus respekteinflößende Person und er soll ihr nach einem heftigen Rausch versprochen haben, keinen Wein mehr zu trinken. In der Zeit des Großen Nordischen Krieges (1700 – 1721), wenn Karl XII. abwesend war, fungierte sie als seine Repräsentantin.Besonders nah stand ihr Hedvig Sofia (1681 -1708), ihre älteste Enkeltochter. Diese heiratete Herzog Friedrich IV. von Holstein-Gottorf, ihr Sohn Karl Friedrich wuchs am schwedischen Hof auf und galt lange als Nachfolger Karls XII. – aber das ist eine andere „Geschichte“.

Quellen und Literatur:

Stellan Dahlgren, Hedvig Eleonora. In: Svenskt Biografiskt Lexikon, Band 18 (1969-1971), sida 51.

Link: Hedvig Eleonora, http://sok.riksarkivet.se/sbl/artikel/12760, Svenskt biografiskt lexikon (art av Stellan Dahlgren) hämtad 2016-01-16.

Allen Ellenius, Visual Culture in the Seventeenth Century Sweden. Images of Power and Knowledge. In: Arne Losman (Hrsg.), The Age of New Sweden, Stockholm 1988.

Allen Ellenius, Die repräsentative Funktion adliger Bauten und ihrer Ausstattung im schwedischen 17. Jahrhundert. In: Dieter Lohmeier (Hrsg.), Arte et marte: Studien zur Adelskultur des Barockzeitalters in Schweden, Dänemark und Schleswig-Holstein, Neumünster 1978.

Jörg-Peter Findeisen, Die schwedische Monarchie. Von den Vikingerherrschern zu den modernen Monarchen. Band 2: 1612 bis heute, Kiel 2010.

Leif Jonsson (Hrsg.): Stormaktstid. Erik Dahlberg och bilden av Sverige, Skövde 1992.

Arne Losman, Carl Gustaf Wrangel och Europa. Studier i kulturförbindelser kring en 1600-talsmagnat, Stockholm 1980.

Nanna Lundh-Eriksson. Hedvig Eleonora. Stockholm 1947.

Axel Sjöblom, David Klöcker Ehrenstrahl. In: Svenskt Biografiskt Lexikon, Band 12 (1949), sida 369.

Link: David Klöker (Klöcker) Ehrenstrahl, http://sok.riksarkivet.se/sbl/artikel/16718, Svenskt biografiskt lexikon (art av Axel Sjöblom.), hämtad 2016-01-16.

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