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Teil II

Eine prächtige Gartenanlage mit Globus

Herzog Christian Albrecht  (Kupferstich von Richard Collin, 1664)

Herzog Christian Albrecht (Kupferstich von Richard Collin, 1664)

Bereits Herzog Friedrich III. hatte das kleine Herzogtum Gottorf in Europa für seine Kultur berühmt gemacht. Wie viele Fürsten seiner Zeit war Friedrich wissenschaftlich interessiert, er verfügte über eine umfangreiche Bibliothek und eine Kunstkammer. Ein besonderes Projekt sollte eine prächtige, barocke Gartenanlage sein, das sogenannte „Neue Werk“. Um 1640 begannen die Arbeiten daran, immer wieder unterbrochen von den Auswirkungen des Dreißigjährigen Krieges und später von den politischen Kämpfen, die Christian Albrecht nach dem Tod seines Vaters auszufechten hatte. Unter der Leitung des Niederländischen Gartenkünstlers Johannes Clodius entstanden zunächst der Herkulesteich sowie ein daran anschließender Blumengarten.

 

Neuwerck-Garten, nach einer Zeichnung von Paul Heinecken  aus dem Jahr 1712.

Neuwerck-Garten, nach einer Zeichnung von aus dem Jahr 1712.

Ab 1660 erfolgte unter dem jungen Herzog der zweite Bauabschnitt der Gartenanlage, nun unter der Leitung des Gärtners Michael Gabriel Tatter, der zuvor für den Kieler Schlossgarten zuständig war. Nach barocken Prinzipien entstand eine vom Herkules ausgehende, sich nach oben verjüngende axiale Terrassenanlage. Außerdem wurde zu Ehren der Herzogin Friederike Amalie zu Beginn der 1670er Jahre die Amalienburg auf der obersten Terrasse erbaut. Das Lustschlösschen diente als Speisesaal und bot einen schönen Ausblick über die Schleilandschaft. Ein Kleinod der Gartenanlage stellte die Friedrichsburg dar, die schon Friedrich III. für den Gottorfer Globus erbauen ließ. Dieser mittels Wasserkraft angetriebene Globus besaß etwa drei Meter Durchmesser und war aus gravierten Kupferplatten gefertigt. Außen konnten Betrachter die damals bekannte Erde sehen und innen war der Globus ein Planetarium – Herzog und Gäste konnten sich hineinsetzen und von den Sternen umkreisen lassen. Im Zuge des Großen Nordischen Krieges verloren die Gottorfer ihren Anteil am Herzogtum Schleswig an Dänemark. Nach einem Besuch des russischen Zaren Peter dem Großen im Jahr 1713 erhielt dieser den Globus sozusagen als „Geschenk“. Der Globus befindet sich noch heute in St. Petersburg.

Das Landesmuseum Schloss Gottorf stellte den sich im Dornröschenschlaf befindlichen Barockgarten vor einigen Jahren wieder her und eine Rekonstruktion des berühmten Globus gibt es dort auch zu bestaunen. Die Besucher können damit „fahren“ – ein ganz besonderes Erlebnis!

Politische Schwierigkeiten und Exil

Die Niederlage Schwedens gegen Brandenburg bei Fehrbellin 1675 hatte dann auch Auswirkungen auf das kleine Herzogtum Gottorf. Der dänische König nahm den Herzog, der sich zu diesem Zeitpunkt in Rendsburg aufhielt gefangen, denn Rendsburg unterstand Dänemark. Fast zeitgleich begann Dänemark einen Krieg gegen Schweden um die Herrschaft Schonens. Christian Albrecht gab unter Zwang die Souveränität auf, doch er verweigerte König Christian V. (1646 – 1699) den Lehnseid und floh nach Hamburg ins Exil. Da ihn große finanzielle Sorgen plagten, sah er sich gezwungen, Juwelen und Silber zu verkaufen. Trotz dieser Schwierigkeiten blieb sich der Herzog als Kulturförderer auch in Hamburg treu.

Oper am Gänsemarkt in einer Stadtansicht, gemalt von Paul Heinecken, 1726

Oper am Gänsemarkt in einer Stadtansicht, gemalt von Paul Heinecken, 1726

Dort machte sich nämlich der Anwalt Gerhard Schott für den Bau einer Oper stark. Der strengen lutherischen Geistlichkeit der Hansestadt war dieses Vorhaben ein Dorn im Auge und predigte leidenschaftlich gegen dieses Vorhaben. Christian Albrecht erwirkte beim Rat der Stadt, dass die Predigten aufhörten. Zur Eröffnung der Oper am Gänsemarkt komponierte der Gottorfer Hofkapellmeister Johann Theile (1646 – 1724), der dem Herzog ins Exil gefolgt war, die geistliche Oper „Adam und Eva“.

Erst 1679 konnte der Herzog zurück in sein Herzogtum, als die Schonischen Kriege durch den Frieden von Lund beendet wurden. Dänemark und Schweden befanden sich nun den Machtpositionen wie vor dem Krieg und Gottorf erhielt damit seine Souveränität zurück. Doch der Frieden dauerte nicht lange. Da Christian Albrecht nicht geneigt war, den dänischen König als obersten Lehnsherr anzuerkennen und auch weitere Forderungen nicht erfüllen wollte, zog Dänemark den Gottorfer Teil Schleswigs ein und besetzte die Stadt Schleswig. Sogar seine eigene Schwester Friederike Amalie vertrieb König Christian V. aus dem Schloss nach Satrupsholm. Christian Albrecht floh erneut nach Hamburg. Von dort aus suchte er Verbündete gegen den dänischen König, der sich inzwischen als neuer Landesherr im herzoglichen Gebiet gebärdete. Unterstützung fand der Herzog schließlich in Schweden, England und den Niederlanden: Im Altonaer Vergleich 1689 wurde er erneut in seine alten Rechte eingesetzt, Gottorf war wieder souverän. Die Union mit Dänemark blieb allerdings bestehen (die Geschichte zu den Herzogtümern Schleswig und Holstein ist ein wenig kompliziert und verdient einen eigenen Artikel).

Wieder einmal kehrte Christian Albrecht in sein Herzogtum zurück, ihm blieben noch fünf ruhigere Jahre, in denen er sich der Kultur widmen und die prachtvolle barocke Gartenanlage vollenden konnte. Am 27. Dezember 1694 verstarb er, seine Grablege ist der St. Petri Dom zu Schleswig.

Herzog Christian Albrecht von Schleswig-Holstein-Gottorf, ein Förderer der Kultur in einer schwierigen Zeit: Teil I

Literatur:

Kerstin Asmussen, Barocke Gartenkunst auf Gottorf. Geschichte und Bedeutung des Neuwerkgartens. In: Rainer Hering (Hrsg.) Die Ordnung der Natur. Vorträge zu historischen Gärten und Parks in Schleswig-Holstein, Hamburg 2009, S. 13 – 36.

Herwig Guratzsch, Der Gottorfer Barockgarten, Berlin/Köln 2007.

Dieter Lohmeier, Kleiner Staat ganz groß, Heide 1997.

Carsten Porskog Rasmussen, Elke Imberger, Dieter Lohmeier, Ingwer Momsen (hrsg.), Die Fürsten des Landes. Herzöge und Grafen von Schleswig, Holstein und Lauenburg, Neumünster 2008.

Verena Schmidtke, Christian-Albrecht von Schleswig-Holstein-Gottorf. In: Hamburgische Biografie, Band 5, Wallstein, Göttingen 2010, S. 82–83

http://heinrich-schuetz-haus.de/schueler/johann_theile.php

 

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