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Teil I

In diesem Jahr begeht die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel ihr 350-Jahr-Jubiläum. Vor beinahe zehn Jahren machte ich dort meinen Abschluss. Ich habe sehr gern an dieser Uni studiert, die Jahre sind mir in guter Erinnerung geblieben. Und da ich mich besonders für das Herzogtum Gottorf und das 17. Jahrhundert interessiere, erscheint mir ein Blogbeitrag über den Universitätsgründer Christian Albrecht von Schleswig-Holstein-Gottorf passend.

Herzog Christian Albrecht von Schleswig-Holstein-Gottorf (gemalt von Jürgen Ovens)

Herzog Christian Albrecht von Schleswig-Holstein-Gottorf (gemalt von Jürgen Ovens)

Als drittgeborener Sohn wäre Christian Albrecht (1641 -1694) der Herzogtitel an sich nicht zugekommen, aber seine älteren Brüder verstarben 1654 und 1655 auf ihrer Bildungsreise. Nun musste er das schwierige Amt schultern. Denn die Aufgabe, die Friedrich III. (1597 -1659) seinem Sohn 1659 hinterließ zeigte sich als schwere Bürde. So sollte der junge Herzog ein gutes Verhältnis zu Dänemark wahren und gleichzeitig, die Freundschaft zu Schweden pflegen. Problematisch, da beide Reiche bis aufs Mark verfeindet waren, und um die Herrschaft im Ostseeraum kämpften.

1660 bestätigte der Frieden von Kopenhagen (geschlossen nach dem „Zweiten Nordischen Krieg“ 1655 – 1660) die vom Herzogtum Gottorf lange angestrebte Souveränität. Allerdings blieben die Herzogtümer Schleswig und Holstein weiterhin in der gemeinschaftlichen Regierung von Dänemark und Gottorf, wodurch der Herzog dem König unterstellt war. Dieser Umstand und die Tatsache, dass die Gottorfer enge verwandtschaftliche Bande zu dem schwedischen Königshaus hatten – Hedvig Eleonora, die Schwester des Herzogs heiratete 1654 den schwedischen König Karl X. Gustav – machten das Auskommen nicht einfacher. So befürchtete die dänischen Könige Friedrich III. und Christian V., Schweden könnte Gottorf als Brückenpfeiler für einen Einfall nutzen. Gottorf befand sich im Spannungsfeld der Mächte. Die Vermählung Christian Albrechts mit der dänischen Prinzessin Friederike Amalie (1649 – 1704) im Jahr 1667 sollte die Situation entspannen.

Friederike Amalie und Christian Albrecht

Friederike Amalie und Christian Albrecht

Das kulturelle Leben am Hof und die Gründung der Universität

Jürgen Ovens (Selbstportrait)

Jürgen Ovens (Selbstportrait)

Trotz dieser politischen Probleme erachtete Christian Albrecht die Förderung von Kunst und Kultur als wichtig, auch wenn er dafür nicht mehr so viel investieren konnte wie sein Vater Friedrich III.. Die finanziellen Mittel waren aufgrund von Schulden und hohen Militärausgaben beschränkt. Dennoch gelang es Christian Albrecht, den Maler Jürgen Ovens (um 1623 – 1678) für den Gottorfer Hof zu gewinnen. Der junge Maler stammte aus Tönning und hatte wahrscheinlich seit 1638 in den Niederlanden seine Ausbildung absolviert. Die Vermutung, er könnte ein Schüler Rembrandts gewesen sein, lässt sich archivalisch nicht belegen. In Amsterdam konnte er sich einen Namen als Portraitmaler machen und nach der Rückkehr in seine Heimat im Jahr 1651 verlieh ihm der Herzog im Jahr darauf das Privileg als Hofmaler. Schon sechs Jahre zuvor hatte Ovens nämlich Herzogin Elisabeth Maria (die Mutter Christian Albrechts; 1610 -1684) als Caritas, also Verkörperung der Mutterliebe, mit ihren Söhnen gemalt. Als Hedvig Eleonora, die Schwester des Herzogs, den schwedischen König heiratete, reiste Ovens mit nach Stockholm, um dieses Ereignis zu dokumentieren. Die Gemälde dazu sind im Nationalmuseum Stockholm zu sehen. Für die Portraitmalerei jener Zeit besaß die Repräsentation einen hohen Stellenwert. Hinweise auf eine besondere Abstammung waren beliebte Motive, im Falle Christian Albrechts malte Ovens einen Bilderzyklus zu den Königen und Herzögen aus dem Hause Oldenburg bis zum Stammvater der Linie König Christian I. Ebenfalls üblich in barocken Gemälden sind Allegorien, so zeigt Ovens Prinzessin Hedvig Elenora 1652 als Versinnbildlichung des Friedens. Wahrscheinlich als Hinweis auf ihre baldige Vermählung mit dem schwedischen Thronfolger.

Hochzeit Karl X. Gustav mit Hedvig Eleonora gemalt von Jürgen Ovens 1654

Hochzeit Karl X. Gustav mit Hedvig Eleonora gemalt von Jürgen Ovens 1654

Was an einem Hof nicht fehlen durfte war Musik. Trotz wirtschaftlicher Schwierigkeiten leisteten sich die Gottorfer eine umfangreiche Hofkapelle und beschäftigten namenhafte Kapellmeister. Einer davon war Augustin Pfleger (1635 -1686), den der Herzog vermutlich insbesondere für die Feierlichkeiten zur Universitätsgründung engagierte.

Denn ein weiteres wichtiges Projekt der Gottorfer Herzöge war die Gründung einer Universität, dort sollten Beamte für die eigene Verwaltung und Kirchenlaufbahn ausgebildet werden. Herzog Friedrich III., wissenschaftlich sehr interessiert, sah die Gründung einer Hochschule ebenfalls als Gipfel der Gottorfer Kulturbestrebungen. Eine Hochschule gehörte im 17. Jahrhundert bei Landesfürsten zum guten Ton. Bereits 1652 erhielt Friedrich III. vom Kaiser Ferdinand III. das Privileg zur Gründung einer Universität. Allerdings konnte der Herzog die Pläne nicht mehr umsetzen, galten sie bei den Ständen als zu kostspielig und zudem behinderten die kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Dänemark und Schweden derartige Vorhaben. So übernahm Christian Albrecht also die Aufgabe, wobei ihn der Hofkanzler Johann Adolf Kielman von Kielmannseck (1612 – 1676) tatkräftig unterstützte. Als Orte für eine Universität kamen Schleswig und Kiel infrage. Da Schleswig zum Lehen Dänemarks gehörte fiel es aus, da der König zustimmen musste. Vermutlich hätte er eine Universität in Schleswig als Konkurrenz zu der in Kopenhagen gesehen. Das kaiserliche Privileg, das nur für das Territorium des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation galt, strahlte denn auch ein größeres Renommee aus, als ein königliches. Außerdem konnten die in Kiel ausgebildeten Juristen am Reichskammergericht tätig sein. Am 5. und 6. Oktober erfolgte die Gründung der Universität im Kieler Schloss. Der bereits erwähnte Augustin Pfleger wirkte vor seiner Berufung nach Gottorf am Hof zu Güstrow. Für den feierlichen Anlass komponierte Pfleger sechs „Odae concertantes“, die nur zu diesem Ereignis aufgeführt wurden. Zum Glück blieben die Partituren erhalten und so konnten anlässlich des Jubiläumsjahres bereits im Januar Teile daraus aufgeführt werden. Im Juli sind weitere Konzerte geplant.

Bild des Siegels der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (Quelle: Homepage der CAU)

Bild des Siegels der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (Quelle: Homepage der CAU)

17 Professoren unterrichteten im alten Kieler Kloster in den Bereichen Theologie, Jura, Medizin und den Freien Künsten. Als wirtschaftliche Grundlage diente die Bordesholmer Gelehrtenschule, die Herzog Hans der Ältere 1566 gegründet hatte. Auf dem Siegel der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, die in diesem Jahr ihr 350-Jahr-Jubiläum feiert, steht „Pax Optima Rerum“ (Frieden ist das höchste Gut). Dieses Motto zeigt, wie groß der Wunsch nach Frieden war, schließlich verblassten die Erinnerungen an den verheerenden Dreißigjährigen Krieg noch lange nicht und die Zeit blieb unstet.

 

 

Herzog Christian Albrecht von Schleswig-Holstein-Gottorf, ein Förderer der Kultur in einer schwierigen Zeit: Teil II

Quelle: 

http://www.uni-kiel.de/ueberblick/siegel.shtml

Literatur:

Jan Drees, „Ovens, Jürgen“ in: Neue Deutsche Biographie 19 (1999), S. 718-720 [Onlinefassung].

Dieter Lohmeier, Kleiner Staat ganz groß, Heide 1997.

Carsten Porskog Rasmussen, Elke Imberger, Dieter Lohmeier, Ingwer Momsen (hrsg.), Die Fürsten des Landes. Herzöge und Grafen von Schleswig, Holstein und Lauenburg, Neumünster 2008.

Martin Geist, Unizeit Nr 83, 2. Mai 2015, S. 1.

http://heinrich-schuetz-haus.de/schueler/johann_theile.php

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