Kirche zu Hütten Für die Geschichte unserer Kirche interessiere ich mich schon lange, vermutlich seit ich mich für Historisches interessiere. Mein Vater wurde hier getauft und konfirmiert, genauso mein jüngster Bruder. Mein jüngerer Bruder und ich wurden in Hütten zumindest konfirmiert (unsere Taufen fanden in der St. Andreas Kirche in Haddeby statt, wo unsere Eltern auch geheiratet haben). Ein inzwischen verstorbener Lehrer aus Ascheffel befasste sich sehr viel mit der Kirche und ab und an hatte ich das Glück, gerade dabei zu sein, wenn er darüber berichtete. 

Als ich im August einige Tage in meiner Heimat verbrachte, nutzte ich die Gelegenheit, mir die Kirche in aller Ruhe anzuschauen. Diese ist nämlich in den Sommermonaten tagsüber geöffnet, wie ich bei einem Besuch auf dem Friedhof feststellte.

Tritt ein

Interessanterweise befindet sich die Kirche nicht zentral in einem Ort des Kirchspiels, sondern eher am Dorfrand Hüttens an der Au. Eine Vermutung dafür ist, dass die Besiedelung des Ortes von dem Adelssitz in Hütten ausging. In dessen unmittelbarer Nähe befindet sich die Kirche.

Weitere Mutmaßungen finden wir in alten Sagen … So findet sich in Karl V. Müllenhoffs Sagensammlung „Sagen, Märchen und Lieder der Herzogthümern Schleswig, Holstein und Lauenburg aus dem Jahr 1845 ein Bericht, worin erzählt wird, wie Schneefall heilige Stätten bezeichnet. Das soll in einigen Orten der Region Angeln und eben auch in Hütten geschehen sein, auch dort befinden sich einige Kirchen außerhalb der Dörfer. Immer wieder versuchten die Handwerker, die Kirchbauten an einem zentralen Ort zu errichten, doch was sie tagsüber erbauten, fanden sie am nächsten Tage wieder abgebrochen vor. Ratlos baten die Dorfbewohner Gott um ein Zeichen, wo er sein Haus errichtet sehen wollte. Und siehe da, am Johannistag, also am 24. Juni, fiel an einigen Plätzen Schnee und genau dort stehen heute die Kirchen.

Ich meine mich noch an eine Sage erinnern zu können, wonach die jetzige Hüttener Kirche in Ascheffel im Sesklint erbaut werden sollte, dort aber auch immer wieder abgebrochen wurde. Leider weiß ich nicht mehr genau, wie der „richtige“ Bauplatz gefunden wurde, dafür muss ich mein Eckernförder Sagenbuch in einem Umzugskarton wiederfinden.
Es gibt eine weitere Theorie, aber die muss ich noch genauer abklären.

In der Kirche

Die Kirche selbst ist recht schlicht, wie es für die meisten evangelischen Kirchen üblich ist. Der Altar aus Backsteinen bedeckt mit einer Granitplatte aus Schweden, wird mit Blumen geschmückt, während meines Besuches standen Sträuße mit Sonnenblumen darauf. Wenn ich mich richtig erinnere, hat jemand aus der Gemeinde die Altardecke gestickt (Brot, Weintrauben, ein Kelch mit Wein, Ähren). Das Kruzifix stammt aus dem 19. Jahrhundert, es ist ebenfalls eher schlicht gestaltet. Sehr detailreich sind die Schnitzereien an der Kanzel, die inzwischen über 400 Jahre alt ist. In verschiedenen Szenen wird das Leben Jesu dargestellt, beginnend mit der Verkündigung an Maria bis zur Himmelfahrt. Treppe und Schalldeckel der Kanzel sind leider nicht mehr original. Sehr besonders soll der Marienaltar sein, der von 1520 bis 1860 den Chorraum schmückte. Die Geschichte zu diesem wertvollen Stück, bekommt einen eigenen Beitrag. Heute ist der sogenannte Hüttener Altar jedenfalls im Stadtmuseum Flensburg ausgestellt.

Chorraum Innenraum der Kirche Kanzel

Nach den Renovierungsarbeiten im 19. Jahrhundert bekam die Kirche eine neue Orgel, als Orgelbauer wird Johann Hinrich Färber aus Tönning genannt. Er fertigte unter anderem Orgeln für die Kirchen in Kotzenbüll, Erfte und auf Pellworm. Heute sind nur noch wenige seiner Orgeln erhalten, und wenn doch, dann nicht mehr im Originalzustand. 1980 erweiterte Braukmann aus Leck die Hüttener Orgel mit Pfeifen der zuvor ebenfalls renovierten Orgel der Borbyer Kirche. Allerdings führte der Einbau der gebrauchten Elemente immer wieder zu Problemen, deshalb erneuerte der Orgelbauer Paaschen aus Kiel im Jahr 2001 die wichtigsten Teile des Instrumentes.

Die Tauffünte wurde 1760 aus einer alten Glocke umgegossen, die Taufschale besteht aus Messing. Der Eckernförder Handelsherr Johann Hass stiftete sie 1749. Während der Öffnungszeiten ist sie aber nicht in der Kirche.

Mittlerweile gibt es keine Gruft mehr in der Kirche. Dennoch erinnert eine hölzerne Tür an der Nordseite an sie. Die Jahreszahl 1678 gibt das Jahr des Gruftanbaus wieder. Der damalige Besitzer des Gutes Hüttenhof, Nicolaus Strompferdt, gab dieses in Auftrag.

Tür zur Sakristei und Tauffünte

Drei bunte Glasfenster schmücken die Kirche, sie befinden sich in der Südfassade. Anlässlich des 400 Jahr-Jubiläums des Reformationstages stiftete die Kirchengemeinde die Fenster. Abgebildet ist linkerhand Philipp Melanchthon, in der Mitte Martin Luther während das rechte Fenster nur ein Zierfenster ist.

Buntglasfenster

Buntglasfenster. Dargestellt ist der Reformator Martin Luther

Baumaßnahmen

Im Laufe der Jahrhunderte erfuhr die Kirche einige Umbaumaßnahmen. Zunächst bestand der Backsteinbau aus einem langgestrecktem Schiff und wahrscheinlich einem Kastenchor. Heute ist das noch im Kern des Kirchengebäudes sichtbar.

Um 1520 tauschte Herzog Friedrich I. von Schleswig und Holstein (seit 1490 Herzog, aber 1523 in Personalunion auch König von Dänemark) sein Gut Grünholz in Schwansen gegen das Hüttener Adelsgut mit Besitzer Ritter Sievert von der Wisch.

Die dazugehörige Kirche und ließ der Herzog bald ausbauen. Eine Inschrift, die heute noch zu sehen ist verweist auf diesen Vorgang: „Nach Christi Geburt, unseres Herrn Jahr, Tausendfünfhundertzwanzig offenbart: Herzog Friedrich, zu Holstein und Schleswig ein Herr, Legte den ersten Stein am 15. Tag im Dezember Zu Hütten in den Chor, Gott und Maria zu Ehren, Den Heiligen Andreas und Nikolaus, den großen Herren.“  (übersetzt ins Hochdeutsche).

Inschrift

Neben dem Chor erhielt die Kirche nun einen zweischiffigen Innenraum, der auf drei Mittelsäulen ruhte. In Schleswig-Holstein gibt es nur noch in Garding und Krummesse solche zweischiffigen Kirchen. Über dreihundert Jahre behielt die Kirche zu Hütten dieses Gewölbe, dann zeigten sich  1877 im Gewölbe Risse und die Südwand brach aus. Offensichtlich konnten die Wände das Gewölbe nicht mehr tragen (eine statische Untersuchung bei Renovierungsarbeiten im Jahr 1965/66 bekräftigte den Verdacht). Die Kirche durfte nicht mehr genutzt werden. Nach einigen Diskussionen, ob man die Kirche abreißen und andernorts (also in Ascheffel) wieder aufbauen sollte, entschied sich die Gemeindeversammlung für Reparaturmaßnahmen, die bis 1882 andauerten. Das Gewölbe wurde abgetragen und das Gebäude erhielt mit der neu eingezogenen Decke sowie eine Empore ein anderes Aussehen. Zudem erhielt die Kirche ein neues Gestühl, womit auch die alte Stuhlordnung aufgehoben wurde. Zuvor hatten die Gemeindemitglieder durch Kauf ihre festen Sitzplätze erworben, nun galt die freie Platzwahl, auch wenn damit nicht alle zufrieden waren. Die Aufteilung in eine Frauen- und Männerseite blieb als Gewohnheitsrecht bis nach dem Zweiten Weltkrieg bestehen.

Kirchturm Die Umbaumaßnahmen betrafen auch den hölzernen Glockenturm, der aus dem Jahr 1746 stammt und nur bis zur Höhe des Kirchdaches reichte. 1880 erhielt er einen zwölfseitigen Helm mit einem Wetterhahn darauf. Die Glocke kam 1784 in den Turm, gegossen von Barthold Jonas Beseler in Rendsburg. Dieser Glockengießer fertige so einige Kirchenglocken in Schleswig-Holstein. Die Hüttener Glocke aus der Zeit des Rokoko trägt die Inschrift: „Hilf, dass ich jeden Schlag an meinen Abschied denken mag. Herr Jacob Papke, Pastor: Claus Schnack und Hinrich Peters. Anno 1784“.

In den Jahren 1965 und 66 erlebte die Kirche erneut Renovierungsarbeiten, dabei wurden Chorgestühl und der Altar entfernt, sie engten allzu sehr ein. Nur das Kruzifix blieb. Dafür zeigt sich der Chor heute hell, offen und schlicht mit einer tollen Akustik.

Andenken

 

Kirche hinter Bäumen

KirchezuHütten

 

 

Quellen:

http://www.kirche-huetten.de/gemeinde/kirche-huetten/index.html

 

Karl Müllenhoff, Sagen, Märchen und Lieder der Herzogthümer Schleswig, Holstein und Laueneburg, Kiel 1845.

 

Dieter Lohmeier, Kleiner Staat ganz groß. Schleswig-Holstein-Gottorf, Heide 1997.

 

Allgemeines Künsterlexikon (AKL), Bd. X, 1995, S. 183.

 

 

 

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