Ein persönlicher Blick auf Kultur

Blogparade #KultBlick

Im September rief das Archäologische Museum Hamburg zur Blogparade #KultBlick auf, und ich bin ziemlich spät dran, stelle ich fest. In den letzten Wochen waren berufliche Dinge vorrangig, aber in meinem Kopf hat das Thema  vor sich hingearbeitet und gestern Abend sprudelten dann die Gedanken hervor und wollten schnell zu Papier gebracht werden.

Ein Leben ohne Kultur ist für mich nicht vorstellbar. Kultur spielt in meinem Leben schon immer eine sehr wichtige Rolle, und führte zum Magisterstudium der Mittleren und Neueren Geschichte mit Klassischer Archäologie im Nebenfach. Es gibt allerdings es durchaus Momente, in denen ich damit hadere und denke, ein BWL-Studium wäre sinnvoller gewesen. Dennoch möchte ich mein Studium, das Erlernte und Erlebte keinesfalls missen. Mittlerweile verdiene ich mir schreibend mein Geld, das kommt immerhin meinem Berufswunsch aus der Kinderzeit Nahe. Sehr am Herzen liegt mir inzwischen mein Blog, da kann ich mich historisch „austoben“. Und wenn Kommentatoren schreiben, dass sie finden, ich könne Geschichte anschaulich und spannend vermitteln, macht mich das glücklich.

Seit meiner Kindheit bin ich eine begeisterte Museumsbesucherin und lese unheimlich gern. Meine Familie hat das immer unterstützt, auch wenn sie mit der Wahl der Studienfächer vielleicht nicht ganz glücklich war. Wichtige Kindheitserinnerungen waren für mich Ausflüge mit der Grundschule zum Freilichtmuseum Molfsee, ins Wikingermuseum Haithabu  und zum Landesmuseum Schloss Gottorf. Meine Eltern und meine Oma mussten mit mir anschließend häufiger diese Einrichtungen besuchen. In Molfsee fand ich die dörfliche Atmosphäre einfach schön, das Interesse an der Geschichte kam dann von selbst. Auf Gottorf hinterließen natürlich die Moorleichen einen bleibenden Eindruck bei mir. Allerdings verbinde ich mit der Schlosskapelle, den verschiedenen Räumen und Ausstellungstücken wesentlich mehr, was meine Leidenschaft für Historisches angeht.

Vanitas 1a

Vanitas-Stillleben, Ottmar Elliger D. Ältere, 17. Jahrhundert.

Ein Besuch mit meiner Oma auf Gottorf fällt mir gerade wieder ein, da muss ich acht oder neun Jahre alt gewesen sein. Ich war etwas enttäuscht, weil es kein „richtiges“ Prinzessinnenzimmer“ mit Himmelbett gab. Aber offenbar hat das Museum Gnade vor meinen Kinderaugen gefunden, ich schaute und schaue immer wieder gerne vorbei und absolvierte dort sogar ein längeres Praktikum.

Kulturell spricht mich vieles an. Ich gehe gern ins Theater und ins Kino. Konzerte, ob nun Klassisch oder Rockig finde ich auch toll – allerdings bin ich nicht gerne in großen Menschenansammlungen unterwegs. In Flensburg entdeckte ich neulich Streetart-Katzen und bin schon gespannt, ob ich im Dezember weitere finden werde.

Streetart-Mieze

Streetart-Mieze in Flensburg

Und immer wieder Museen, wobei ich für vieles offen bin. Wider Erwarten fand ich das Deutsche Technikmuseum in Berlin ziemlich spannend. Eine Vorliebe habe ich, wie sollte es anders sein, für die oben genannten Museen. Obwohl ich den Historischen Rundgang auf Gottorf mit geschlossenen Augen durchwandeln könnte, zieht er mich doch immer wieder an. Ein Besuch im herbstlichen Freilichtmuseum ist wunderbar, und Haithabu lockte in diesem Jahr damit, bei einer Ausgrabung zuschauen zu können. Das lässt mein Historikerherz höher schlagen.

Haithabu

Ausgrabung in Haithabu

Seit ein paar Jahren wohne ich in der Schweiz und habe mich natürlich auch hier umgeschaut. Das Klostermuseum Muri spricht mich sehr an, relativ neu ist dabei im Gebäudekomplex des Klosters das Museum Medizinhistorischer Bücher. Die digitalisierten Bücher laden zum Nachlesen und Stöbern ein, die Besucher erfahren viel über Medizingeschichte, Entwicklungen und Kurioses. Dazu gibt es eine Sonderausstellung, aktuell ist das Schaffen der bekannten Blumen- und Insektenmalerin Maria Sibylla Merian zu bestaunen. Zu meinem Geburtstag im Juni besuchten mein Mann und ich beide Museen, im Juli nahm ich unseren kleinen Gast Ludwig Löwe mit zu den medizinischen Büchern.

Medizinhistorisch 2

Museum Medizinhistorischer Bücher, Muri

Muri

Ludwig Löwe untersucht Blumenmalerei – zur Sonderausstellung über Maria Sibylla Merian, Muri

Ein weiteres Museum, das wir gerne besuchen, ist das Schloss Hallwyl, gerne in Verbindung mit den Mosttagen, die im Oktober auf dem Gelande statt finden.Auf mehreren Ebenen bekommt man Einblick in das Leben der Schlossbewohner in den verschiedenen Jahrhunderten.

Hallwyl

Sammlungsstücke Schloss Hallwyl

Meine Magisterarbeit befasste sich mit schwedischen Adelskultur im 17. Jahrhundert, dafür kann ich mich bis heute begeistern. Einer meiner größeren Wünsche ist, nach Stockholm zu reisen und dort die Livrustkammaren zu besuchen. Skoklosters Slott steht auch auf meiner Liste und noch viel mehr. Ich war zwar schon einige Male in der schwedischen Hauptstadt, aber hauptsächlich, um dort zu arbeiten Für Museen blieb leider keine Zeit. Dennoch habe ich mich in die Stadt verliebt – ein (kultureller) Sehnsuchtsort.

Stockholm im Winter

Stockholm im Winter

Demnächst besuche ich meine Familie in Schleswig-Holstein, natürlich werde ich mir auf Gottorf die Ausstellung „Luthers Norden“ anschauen. Ein kleines Heimatmuseum an der Schlei steht auch auf meinem Plan. Und noch mehr, es gibt überall so viel Spannendes an Kultur zu entdecken.

Weinmonat

Landwirtschaft im Monat Oktober, Schloss Hallwyl

Porzellan Gottorf

Porzellan auf Gottorf

 

Barockgarten-Idylle

Barockgarten, Schloss Gottorf

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Gedanken zu Theodor Storm

BuchHeute vor 200 Jahren kam Hans Theodor Woldsen Storm in Husum zur Welt. Sein Beruf war die Juristerei, seine Leidenschaft gehörte der Dichtkunst. Aus politischen Gründen („antidänische Betätigung“) musste er 1852 Husum mit seiner Familie verlassen, er war in Berlin und später in Heiligenstadt tätig. Erst 1864 konnte er mit seiner Familie in seine Heimat zurückkehren. Nur ein Jahr darauf starb seine Frau Constanze im Kindbett, nach Geburt des siebenten Kindes. Storm heiratete 1867 Dorothea Jensen, mit der er in jüngeren Jahren eine Affäre hatte. Seine zweite Frau hatte nicht leicht in ihrer Rolle als Stiefmutter, erst mit Geburt der Tochter Friederike besserte sich die Situation. Parallelen weist „Viola Tricolor“ auf. 1880 ließ sich der Dichter pensionieren und zog bald darauf von Husum nach Hademarschen. Dort schreibt er dann sein großes Werk „Der Schimmelreiter“, das 1888 erschien. Den Erfolg seiner Novelle erlebte er nicht mehr, er starb am 4. Juli 1888.

Wann ich das erste Mal etwas von  ich das erste Mal etwas von Theodor Storm gelesen habe, weiß ich gar nicht mehr. Vermutlich war es „Der kleine Häwelmann“. In der Grundschule lernten wir natürlich „Die graue Stadt am Meer“ auswendig. Möglich, dass mich bereits da die Begeisterung für Storm packte. Er ist auf jeden Fall mit dafür verantwortlich, dass ich Literatur liebe und mich an weitere spannende Autoren heranwagte.

Auf der weiterführenden Schule lasen wir dann alles Mögliche, aber nicht den „Schimmelreiter“, was ich unverständlich fand und das Buch für mich selbst las (was wahrscheinlich sogar besser war, so wurde es nicht im Unterricht auseinandergedröselt). Und spätestens seit dieser Novelle glühte ich für Storm. Begleitend dazu lieh ich mir „Der wahre Schimmelreiter“ von Paul Barz aus der Stadtbücherei in Eckernförde aus und die Gesamtausgabe seiner Werke. Natürlich kaufte ich mir nach und nach Bücher und bekam viele von und über den Dichter geschenkt. Mein Mann hat mich vor einer Weile mit einer wunderbaren Ausgabe des Schimmelreiters überrascht. Zu verschiedenen Teenager-Geburtstagen schenkten mir meine Paten sehr schöne Ausgaben zu Storms Werken.  Auf Klassenfahrt hatte ich einen Gedichtband dabei, was vermutlich erklärt, wieso meine Mitschüler mich mehr als nur ein bisschen schräg fanden.

Gedichte

Ausgabe

Regal

Kleine Auswahl, bei meinen Eltern befinden sich noch mehr Storm-Bücher.

Praktischerweise haben wir Verwandte in Husum haben, da blieben natürlich Besuche im Storm-Haus nicht aus. Immer wenn ich in der beschaulichen und gar nicht grauen Stadt am Meer bin, muss ich in das Museum, um den Geist Storms auf mich wirken zu lassen.

Schreibtisch

Storm

Poetenstübchen 1

In einer Biographie las ich, dass Theodor Storm einen langen roten Schal trug, über den sich Theodor Fontane gerne lustig machte. Ob der Schal wirklich rot war, kann ich leider nicht finden. Nun ja. Jedenfalls erzählte ich  vor vielen Jahren meiner Oma von dieser Begenheit, die mir sogleich einen langen roten Schal strickte, den ich bis heute sehr gern und stolz trage –  er ist eine liebevolle Erinnerung an meine Oma und meinen Lieblingsdichter.

Schal

 

Ein Leichenstein
darauf der Tod mit stark gezahnten Kiefern

Dat is de Dod, de allens fritt,
Nimmt Kunst un Wetenschop di mit,
De kloke Mann is nu vergahn – 
Gött gäw‘ em selig Uperstahn!

 

Die Möwe und mein Herz 
Hin gen Norden zieht die Möwe,
Hin gen Norden zieht mein Herz;
Fliegen beide aus mitsammen,
Fliegen beide heimatwärts.

Ruhig, Herz! du bist zur Stelle;
Flogst gar schnell die weite Bahn – 
Und die Möwe schwebt noch rudernd 
Überm weiten Ozean.

Blumenmalerei, eine Perle im Barock

Gottorfer Codex Buch 1Im April riefen die Museen & Schlösser Bayern auf museumsperlen.de zu einer Blogparade auf, Thema #perlenfischen. Lange überlegte ich, was für mich eine besondere Museumsperle ist und mir sind da einige eingefallen. Woran ich aber schon lange mein Herz verloren habe ist der Gottorfer Codex. Der Name entstammt der aktuellen Forschung. Über den Besuch der Ausstellung vor etwa drei Jahren im Schleswig-Holsteinischen Landesmuseum Schloss Gottorf bloggte ich bereits. Dennoch schreibe ich nun noch einmal über dieses wunderschöne Florilegium. Weiterlesen

Der Untergang der Hedvig Sofia – Ein Schiff und seine Bedeutung im Großen Nordischen Krieg. Über die Ausstellung „Von Degen, Segeln und Kanonen“ auf Schloss Gottorf

hedvig-sofia-schiff_Im Fernsehen lief vor einiger Zeit eine spannende Dokumentation über ein gesunkenes Kriegsschiff in der Ostsee vor der Kieler Bucht. Das Schiff stammte aus dem späten 17. Jahrhundert und hieβ „Prinsessan Hedvig Sofia“, benannt nach einer schwedischen Prinzessin. Es versenkte sich im Großen Nordischen Krieg im Verlauf der Seeschlacht von Fehmarn im April 1715.

Nun zeigte das Schleswig-Holsteinische Landesmuseum Schloss Gottorf 2015 eine Ausstellung über jenes Schiff und die historischen Zusammenhänge. Da ich mich besonders für die Frühe Neuzeit und Skandinavische Geschichte begeistere, war der Besuch der Ausstellung natürlich ein Muss.

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Erlebnisse einer Weihnachtskugel

kugel-weihnachtenEs war einmal ein wunderschöner kleiner Weihnachtsbaum. Der stand in all seiner Pracht in einem gemütlichen Wohnzimmer und erfreute die großen und kleinen Menschen, die dort wohnten. An dem Baum hingen lauter schöne Kugel, eine kleine davon war ganz neu und sie funkelte stolz im Kerzenlicht. Alles was sie während der Feiertage sah fand sie sehr aufregend, und so freute sich die kleine Kugel über die fröhlichen Kinder, die mit ihrem neuen Spielzeug um den Weihnachtsbaum herumtobten. Weiterlesen

Ein besonderer Schatz

Vor einiger Zeit schrieb ich hier über die Kirche zu Hütten und verwies dabei auf den Marienaltar, der heute im Museumsberg in Flensburg zu besichtigen ist. Nun ist es mir endlich selbst gelungen, mir den Altar anzuschauen – und ich war (bin) beeindruckt.
Im August besuchte ich meinen Bruder und dessen Familie in Flensburg und an einem Vormittag machten wir beide uns dann auf den Weg ins Museum.

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Das Freiamt – eine ländliche Kulturregion

Sommerzeit ist Ferienzeit und Tanja Praske hat dazu zur Blogparade „Mein Kulturtrip für dich im Sommer“ kurz #KultTrip eingeladen. Da ich schon seit Wochen auf der Suche nach einer Inspiration bin, worüber ich bloggen möchte, kommt mir dieser Aufruf sehr gelegen.

Zum Thema Kulturtrip möchte ich über die Region schreiben, in der wir seit mehr als zwei Jahren wohnen, nämlich das Freiamt in der Schweiz.

Das Freiamt liegt im Südosten des Kantons Aargau und dort im Reuss- und Bünztal. Die Städte Zürich, Luzern und Zug sind etwa in einer halben Stunde mit dem Auto erreichbar. Als wichtige Orte wären wohl Bremgarten, Muri und Wohlen zu nennen.

 

Heinrüti

Katzen bei der S-Bahnstation Heinrüti

Allein schon landschaftlich ist diese Region wunderschön. Wenn ich unterwegs zu meinen Aufträgen  bin, nutze ich meistens den gut ausgebauten öffentlichen Nahverkehr, und da bekommt man oft tolle Aussichten geboten. Eine meiner Lieblingsstrecken ist die der S-17 von Wohlen Richtung Dietikon und da hat es mir besonders die Haltestelle Widen/Heinrütti mit den beiden großen Katzen aus Holz angetan. Die beiden sitzen dort und genießen eine schönen Ausblick.

Wandern

Wendelin

St. Wendelinskapelle in Sarmenstorf

Wer gerne wandert, dem sei der Freiämterweg empfohlen. Dort sollen einige sehenswerte Kunst- und Kulturschätze am Wegesrand liegen, die wir ehrlich gesagt auch noch erkunden müssen. Dieser Wanderweg führt unter anderem nach Sarmenstorf, wo es einiges zu entdecken gibt: Nämlich ein jungsteinzeitliches Gräberfeld im Zigiholz und ein Stück weiter Überreste einer römischen Villa. Bevor es in Richtung dieser Sehenswürdigkeiten geht, empfehle ich einen Besuch der schön gelegenen St. Wendelinskapelle. Das Besondere an ihr ist der Felsen, der im Bau einbezogen wurde. Unter diesem befindet sich ein Schrein, mit dem Hinweis auf die Sage der zwei Angelsachsen ohne Kopf. Deren Gebeine befinden sich allerdings in der Kirche des Dorfes. Die Angelsachsen waren der Sage nach Wallfahrende, die in der Nähe des Ortes von Wegelagerern überfallen und geköpft wurden. Sie setzten ihren Weg aber mit ihren Köpfen unter dem Arm fort, bis sie an den schon erwähnten Felsen kamen, wo sie Schutz vor einem Gewitter suchten. Das Freiamt scheint ein guter Ort für Sagen zu sein, denn neben dem Freiämterweg gibt es auch einen Freiämter Sagenweg und speziell für die Kleineren einen Kinderweg.

 

Museen
In der Region gibt es einige spannende Museen, von denen einige nach Absprache Führungen anbieten. Dazu gehören das Postlonzihus in Merenschwand sowie das Museum zwischen Pflug und Korn in Muri, um eine kleine Auswahlzu nennen.

Kloster Muri

In Muri findet sich außerdem das Klostermuseum Muri, es wurde vor zwei Jahren nach einer Neukonzeptionierung neu eröffnet und das ist wirklich sehenswert. Immerhin kann das Kloster auf beinahe 1000 Jahre Geschichte zurückblicken und hat in dieser Zeit einiges erlebt. Der Museumsrundgang startet im Museumsshop, wo ich freundlich begrüsst und über das Museum informiert wurde. Ein Prolog erläutert anschaulich die abwechslungsreiche und bewegte Geschichte des Benediktinerklosters, das Radbot von Habsburg und Ita von Lothringen 1027 stifteten. Bis 1841 bestand das Kloster. Auf dem Rundgang können die Besucher dann selbst in das Klosterleben in der Vergangenheit eintauchen. Dabei helfen neben den beeindruckenden Ausstellungsstücken aus mehreren Jahrhunderten auch einige Touchscreen-Stationen, an denen man noch einiges Wissenswertes erfahren kann. Sehr schön anzuschauen sind die Glasmalereien aus dem 16. Jahrhundert im verbliebenen Kreuzgang. Diese spiegeln das Netzwerk des Klosters wider, denn Scheibenstifter ließen sich darauf abbilden. Den Abschluss des Rundgangs bildet die wunderschöne Klosterkirche mit ihrer Rokokoausstattung. Der oktogonale Zentralraum entstand zum Ende des 17. Jahrhunderts, zuvor war die Kirche eine romanische Dreischiffbasilika. Ein beeindruckender Ort, der Geschichte atmet.

 

Museums Rundgang Prolog

Klostermuseum 2

Exponate aus mehreren Jahrhunderten

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Buntglasscheiben im Kreuzgang

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Die Klosterkirche mit ihrer reichen Rokoko-Ausstattung

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Das oktogonale Zentrum

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Feine Details in jeder Ecke

 

Strohmuseum WohlenEin weiteres Museum, das sich zu besuchen lohnt ist das Strohmuseum in Wohlen. In der ländlich geprägten Region Freiamt entwickelte sich die Strohindustrie bereits zur vorindustriellen Zeit zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor. Nach einem Einführungsfilm erfahren die Besucher im Dachgeschoss, wie zunächst in Handarbeit die feinen Geflechte entstanden. Und es gibt an einigen Stationen, die Möglichkeit, sich selbst an einigen Mustern zu versuchen. Das Stockwerk widmet sich der maschinellen Produktion und zeigt die Vernetzung jener Industrie. Dabei geht es um den Import von wichtigen Materialien für die Flechtwerke und um deren weltweiten Export. Auch dieses Museum bietet viele zeitgemäße multimediale Erkundungsmöglichkeiten. Mir hat besonders gut das Fotostudio gefallen, wo man sich aus einer Auswahl von Hüten einen aussuchen konnte, um sich dann von einer automatischen Kamera fotografieren zu lassen. Das Bilder (oder die Bilder) kann man sich dann per Email senden.

Strohmuseum 1

Filigrane Flechtarbeiten

Strohmuseum 2

Feinste Arbeiten aus dem Freiamt – beliebt überall in der Welt

Strohmuseum 3

Webstuhl

Strohmuseum 4

Ein Röhrlihut wird gefertigt

Weitere spannende Termine in der nächsten Zeit sind die Saison des Jugendcircus Biber in Arni, der seit mehr als 30 Jahren im August ein tolles Programm präsentiert. Und am 12. August feiert das Freilichttheater Emmetfeld in Hägglingen Premiere. Im Freiamt gibt es einiges zu sehen und zu erleben.

„In der Bar zum Krokodil“ eine Ausstellung zu den Schlagern der wilden Zwanziger

Museumsberg Flensburg

Museumsberg Flensburg

Im Februar besuchte ich meine Lieben im Norden, dazu gehört auch ein Abstecher nach Flensburg zur Familie meines Bruders, wo ich ein paar Tage verbrachte. An einem Dienstag besuchten die Freundin meines Bruders, die Baby-Nichte und ich die Ausstellung „In der Bar zum Krokodil. Die Schlagerwelt der zwanziger Jahre“ im Museumsberg.

Zu sehen gab es die originalen Titelblätter der Notendrucke, oft sehr schön illustriert und künstlerisch. Nicht immer haben die Bilder etwas mit dem Schlager zu tun. Deutlich sicht- und spürbar wird das Lebensgefühl der zwanziger Jahre,  wo sich die Gesellschaft nach dem ersten Weltkrieg eine Zeitlang im Aufbruch befand. So ist denn auch die moderne junge Frau ein beliebtes Titelblattmotiv, gern mit dem berühmten Bubikopf. Denn gerade für Frauen änderte sich viel. Da im Krieg viele junge Männer umkamen, ergaben sich, so hart es auch klingt, neue berufliche Möglichkeiten. Denn es mangelte an männlichen Arbeitskräften und durch einen deutlichen Frauenüberschuss ergab sich nicht mehr zwangsläufig der typische Weg als Hausfrau und Mutter.

Mir fiel bei den Titelblättern der Name Beda auf, der häufig als Texter genannt wird. Eigentlich hieß der österreichische Librettist Friedrich Löhner und war in den zwanziger Jahre einer der gefragtesten und beliebtesten Schlagertexter. Eine kleine Auswahl seiner Werke sind: „In der Bar zum Krokodil“, „Laila“ und „Ausgerechnet Bananen“, der deutsche Text zu „Yes! We have no Bananas“.

In der Ausstellung gibt es an mehreren Stationen die Möglichkeit, sich einige der Songs anzuhören, was einem die Zeit noch etwas näher bringt. Vertiefende Informationen zur Zeit zwischen dem ersten Weltkrieg und den dreißiger Jahren sind auf Tafeln nachzulesen. In den Dreißigern ändert sich die politische Situation bekanntlich dramatisch. Die Lockerheit des vorherigen Jahrzehnts verschwindet und damit auch die neue, moderne Frau. Viele der Künstler, die in den zwanziger Jahren erfolgreich und beliebt waren, wurden nun verfolgt, weil sie Juden waren. Zu den Opfern des Nationalsozialismus zählt auch Friedrich Löhner.  Er wurde 1942 in Auschwitz ermordet.

Die zwanziger Jahre waren eine wilde Zeit, neue Musik und Tanzstile fanden ihren Weg in die Weimarer Republik. Waren sogenannte „Wackeltänze“ im Kaiserreich noch anstößig und sogar verboten, galt das in der Republik nicht mehr. Viele Schlagertexte sind frech, gar frivol und bissig.

 

Zur Ausstellung gibt es ein Rahmenprogramm mit musikalischen Veranstaltungen, Tanzkursen und Workshops für Cocktails. Ich ärgere mich etwas, dass ich im Museumsshop das Büchlein mit den Anziehpuppen mit der Mode der Zwanziger nicht gekauft habe.

Bis zum 8. Mai ist die Ausstellung noch zu sehen.