Blumenmalerei, eine Perle im Barock

Gottorfer Codex Buch 1Im April riefen die Museen & Schlösser Bayern auf museumsperlen.de zu einer Blogparade auf, Thema #perlenfischen. Lange überlegte ich, was für mich eine besondere Museumsperle ist und mir sind da einige eingefallen. Woran ich aber schon lange mein Herz verloren habe ist der Gottorfer Codex. Der Name entstammt der aktuellen Forschung. Über den Besuch der Ausstellung vor etwa drei Jahren im Schleswig-Holsteinischen Landesmuseum Schloss Gottorf bloggte ich bereits. Dennoch schreibe ich nun noch einmal über dieses wunderschöne Florilegium. Weiterlesen

Der Untergang der Hedvig Sofia – Ein Schiff und seine Bedeutung im Großen Nordischen Krieg. Über die Ausstellung „Von Degen, Segeln und Kanonen“ auf Schloss Gottorf

hedvig-sofia-schiff_Im Fernsehen lief vor einiger Zeit eine spannende Dokumentation über ein gesunkenes Kriegsschiff in der Ostsee vor der Kieler Bucht. Das Schiff stammte aus dem späten 17. Jahrhundert und hieβ „Prinsessan Hedvig Sofia“, benannt nach einer schwedischen Prinzessin. Es versenkte sich im Großen Nordischen Krieg im Verlauf der Seeschlacht von Fehmarn im April 1715.

Nun zeigte das Schleswig-Holsteinische Landesmuseum Schloss Gottorf 2015 eine Ausstellung über jenes Schiff und die historischen Zusammenhänge. Da ich mich besonders für die Frühe Neuzeit und Skandinavische Geschichte begeistere, war der Besuch der Ausstellung natürlich ein Muss.

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Erlebnisse einer Weihnachtskugel

kugel-weihnachtenEs war einmal ein wunderschöner kleiner Weihnachtsbaum. Der stand in all seiner Pracht in einem gemütlichen Wohnzimmer und erfreute die großen und kleinen Menschen, die dort wohnten. An dem Baum hingen lauter schöne Kugel, eine kleine davon war ganz neu und sie funkelte stolz im Kerzenlicht. Alles was sie während der Feiertage sah fand sie sehr aufregend, und so freute sich die kleine Kugel über die fröhlichen Kinder, die mit ihrem neuen Spielzeug um den Weihnachtsbaum herumtobten. Weiterlesen

Ein besonderer Schatz

Vor einiger Zeit schrieb ich hier über die Kirche zu Hütten und verwies dabei auf den Marienaltar, der heute im Museumsberg in Flensburg zu besichtigen ist. Nun ist es mir endlich selbst gelungen, mir den Altar anzuschauen – und ich war (bin) beeindruckt.
Im August besuchte ich meinen Bruder und dessen Familie in Flensburg und an einem Vormittag machten wir beide uns dann auf den Weg ins Museum.

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Das Freiamt – eine ländliche Kulturregion

Sommerzeit ist Ferienzeit und Tanja Praske hat dazu zur Blogparade „Mein Kulturtrip für dich im Sommer“ kurz #KultTrip eingeladen. Da ich schon seit Wochen auf der Suche nach einer Inspiration bin, worüber ich bloggen möchte, kommt mir dieser Aufruf sehr gelegen.

Zum Thema Kulturtrip möchte ich über die Region schreiben, in der wir seit mehr als zwei Jahren wohnen, nämlich das Freiamt in der Schweiz.

Das Freiamt liegt im Südosten des Kantons Aargau und dort im Reuss- und Bünztal. Die Städte Zürich, Luzern und Zug sind etwa in einer halben Stunde mit dem Auto erreichbar. Als wichtige Orte wären wohl Bremgarten, Muri und Wohlen zu nennen.

 

Heinrüti

Katzen bei der S-Bahnstation Heinrüti

Allein schon landschaftlich ist diese Region wunderschön. Wenn ich unterwegs zu meinen Aufträgen  bin, nutze ich meistens den gut ausgebauten öffentlichen Nahverkehr, und da bekommt man oft tolle Aussichten geboten. Eine meiner Lieblingsstrecken ist die der S-17 von Wohlen Richtung Dietikon und da hat es mir besonders die Haltestelle Widen/Heinrütti mit den beiden großen Katzen aus Holz angetan. Die beiden sitzen dort und genießen eine schönen Ausblick.

Wandern

Wendelin

St. Wendelinskapelle in Sarmenstorf

Wer gerne wandert, dem sei der Freiämterweg empfohlen. Dort sollen einige sehenswerte Kunst- und Kulturschätze am Wegesrand liegen, die wir ehrlich gesagt auch noch erkunden müssen. Dieser Wanderweg führt unter anderem nach Sarmenstorf, wo es einiges zu entdecken gibt: Nämlich ein jungsteinzeitliches Gräberfeld im Zigiholz und ein Stück weiter Überreste einer römischen Villa. Bevor es in Richtung dieser Sehenswürdigkeiten geht, empfehle ich einen Besuch der schön gelegenen St. Wendelinskapelle. Das Besondere an ihr ist der Felsen, der im Bau einbezogen wurde. Unter diesem befindet sich ein Schrein, mit dem Hinweis auf die Sage der zwei Angelsachsen ohne Kopf. Deren Gebeine befinden sich allerdings in der Kirche des Dorfes. Die Angelsachsen waren der Sage nach Wallfahrende, die in der Nähe des Ortes von Wegelagerern überfallen und geköpft wurden. Sie setzten ihren Weg aber mit ihren Köpfen unter dem Arm fort, bis sie an den schon erwähnten Felsen kamen, wo sie Schutz vor einem Gewitter suchten. Das Freiamt scheint ein guter Ort für Sagen zu sein, denn neben dem Freiämterweg gibt es auch einen Freiämter Sagenweg und speziell für die Kleineren einen Kinderweg.

 

Museen
In der Region gibt es einige spannende Museen, von denen einige nach Absprache Führungen anbieten. Dazu gehören das Postlonzihus in Merenschwand sowie das Museum zwischen Pflug und Korn in Muri, um eine kleine Auswahlzu nennen.

Kloster Muri

In Muri findet sich außerdem das Klostermuseum Muri, es wurde vor zwei Jahren nach einer Neukonzeptionierung neu eröffnet und das ist wirklich sehenswert. Immerhin kann das Kloster auf beinahe 1000 Jahre Geschichte zurückblicken und hat in dieser Zeit einiges erlebt. Der Museumsrundgang startet im Museumsshop, wo ich freundlich begrüsst und über das Museum informiert wurde. Ein Prolog erläutert anschaulich die abwechslungsreiche und bewegte Geschichte des Benediktinerklosters, das Radbot von Habsburg und Ita von Lothringen 1027 stifteten. Bis 1841 bestand das Kloster. Auf dem Rundgang können die Besucher dann selbst in das Klosterleben in der Vergangenheit eintauchen. Dabei helfen neben den beeindruckenden Ausstellungsstücken aus mehreren Jahrhunderten auch einige Touchscreen-Stationen, an denen man noch einiges Wissenswertes erfahren kann. Sehr schön anzuschauen sind die Glasmalereien aus dem 16. Jahrhundert im verbliebenen Kreuzgang. Diese spiegeln das Netzwerk des Klosters wider, denn Scheibenstifter ließen sich darauf abbilden. Den Abschluss des Rundgangs bildet die wunderschöne Klosterkirche mit ihrer Rokokoausstattung. Der oktogonale Zentralraum entstand zum Ende des 17. Jahrhunderts, zuvor war die Kirche eine romanische Dreischiffbasilika. Ein beeindruckender Ort, der Geschichte atmet.

 

Museums Rundgang Prolog

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Exponate aus mehreren Jahrhunderten

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Buntglasscheiben im Kreuzgang

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Die Klosterkirche mit ihrer reichen Rokoko-Ausstattung

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Das oktogonale Zentrum

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Feine Details in jeder Ecke

 

Strohmuseum WohlenEin weiteres Museum, das sich zu besuchen lohnt ist das Strohmuseum in Wohlen. In der ländlich geprägten Region Freiamt entwickelte sich die Strohindustrie bereits zur vorindustriellen Zeit zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor. Nach einem Einführungsfilm erfahren die Besucher im Dachgeschoss, wie zunächst in Handarbeit die feinen Geflechte entstanden. Und es gibt an einigen Stationen, die Möglichkeit, sich selbst an einigen Mustern zu versuchen. Das Stockwerk widmet sich der maschinellen Produktion und zeigt die Vernetzung jener Industrie. Dabei geht es um den Import von wichtigen Materialien für die Flechtwerke und um deren weltweiten Export. Auch dieses Museum bietet viele zeitgemäße multimediale Erkundungsmöglichkeiten. Mir hat besonders gut das Fotostudio gefallen, wo man sich aus einer Auswahl von Hüten einen aussuchen konnte, um sich dann von einer automatischen Kamera fotografieren zu lassen. Das Bilder (oder die Bilder) kann man sich dann per Email senden.

Strohmuseum 1

Filigrane Flechtarbeiten

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Feinste Arbeiten aus dem Freiamt – beliebt überall in der Welt

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Webstuhl

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Ein Röhrlihut wird gefertigt

Weitere spannende Termine in der nächsten Zeit sind die Saison des Jugendcircus Biber in Arni, der seit mehr als 30 Jahren im August ein tolles Programm präsentiert. Und am 12. August feiert das Freilichttheater Emmetfeld in Hägglingen Premiere. Im Freiamt gibt es einiges zu sehen und zu erleben.

„In der Bar zum Krokodil“ eine Ausstellung zu den Schlagern der wilden Zwanziger

Museumsberg Flensburg

Museumsberg Flensburg

Im Februar besuchte ich meine Lieben im Norden, dazu gehört auch ein Abstecher nach Flensburg zur Familie meines Bruders, wo ich ein paar Tage verbrachte. An einem Dienstag besuchten die Freundin meines Bruders, die Baby-Nichte und ich die Ausstellung „In der Bar zum Krokodil. Die Schlagerwelt der zwanziger Jahre“ im Museumsberg.

Zu sehen gab es die originalen Titelblätter der Notendrucke, oft sehr schön illustriert und künstlerisch. Nicht immer haben die Bilder etwas mit dem Schlager zu tun. Deutlich sicht- und spürbar wird das Lebensgefühl der zwanziger Jahre,  wo sich die Gesellschaft nach dem ersten Weltkrieg eine Zeitlang im Aufbruch befand. So ist denn auch die moderne junge Frau ein beliebtes Titelblattmotiv, gern mit dem berühmten Bubikopf. Denn gerade für Frauen änderte sich viel. Da im Krieg viele junge Männer umkamen, ergaben sich, so hart es auch klingt, neue berufliche Möglichkeiten. Denn es mangelte an männlichen Arbeitskräften und durch einen deutlichen Frauenüberschuss ergab sich nicht mehr zwangsläufig der typische Weg als Hausfrau und Mutter.

Mir fiel bei den Titelblättern der Name Beda auf, der häufig als Texter genannt wird. Eigentlich hieß der österreichische Librettist Friedrich Löhner und war in den zwanziger Jahre einer der gefragtesten und beliebtesten Schlagertexter. Eine kleine Auswahl seiner Werke sind: „In der Bar zum Krokodil“, „Laila“ und „Ausgerechnet Bananen“, der deutsche Text zu „Yes! We have no Bananas“.

In der Ausstellung gibt es an mehreren Stationen die Möglichkeit, sich einige der Songs anzuhören, was einem die Zeit noch etwas näher bringt. Vertiefende Informationen zur Zeit zwischen dem ersten Weltkrieg und den dreißiger Jahren sind auf Tafeln nachzulesen. In den Dreißigern ändert sich die politische Situation bekanntlich dramatisch. Die Lockerheit des vorherigen Jahrzehnts verschwindet und damit auch die neue, moderne Frau. Viele der Künstler, die in den zwanziger Jahren erfolgreich und beliebt waren, wurden nun verfolgt, weil sie Juden waren. Zu den Opfern des Nationalsozialismus zählt auch Friedrich Löhner.  Er wurde 1942 in Auschwitz ermordet.

Die zwanziger Jahre waren eine wilde Zeit, neue Musik und Tanzstile fanden ihren Weg in die Weimarer Republik. Waren sogenannte „Wackeltänze“ im Kaiserreich noch anstößig und sogar verboten, galt das in der Republik nicht mehr. Viele Schlagertexte sind frech, gar frivol und bissig.

 

Zur Ausstellung gibt es ein Rahmenprogramm mit musikalischen Veranstaltungen, Tanzkursen und Workshops für Cocktails. Ich ärgere mich etwas, dass ich im Museumsshop das Büchlein mit den Anziehpuppen mit der Mode der Zwanziger nicht gekauft habe.

Bis zum 8. Mai ist die Ausstellung noch zu sehen.

Hedvig Eleonora – Eine Königin im Zeitalter des Barock

Teil II

Die Mäzenin

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Hedvig Eleonora gemalt von David von Krafft

 

Ein besonderes Augenmerk richtete Hedvig Eleonoras auf die Kunst, sie wirkte in Schweden neben Carl Gustav Wrangel und Magnus Gabriel De la Gardie, als große Mäzenin – wie es für viele hochstehende Persönlichkeiten jener Zeit üblich war. Zu denen von ihr geförderten Künstlern gehörten Nicodemus Tessin d. Jüngere (1654 – 1728) und David Klöcker Ehrenstrahl (1628 – 1698).

Bereits Tessins Vater galt als begnadeter Architekt und genoss großes Ansehen beim schwedischen Adel. Sein Sohn zeigte auch die Begabung und konnte nach seinem Studium in Uppsala mit Unterstützung von Hedvig Eleonora 1673 auf Studienreise nach Italien begeben. Dort befasste er sich mit der antiken Ästhetik und studierte bei anderen bekannten Architekten. Nach einem kurzen Aufenthalt in Schweden reiste Tessin nach Frankreich und England zu weiteren Studien. Ab 1680 war er für die Bauten der Königinwitwe der verantwortliche Architekt. Zudem übernahm er die Aufträge seines Vaters, der 1681 starb. So war Tessin am Neubau des Schlossen Drottingholm beteiligt. Seine Begabung und Ausbildung machten ihn zu einem der bedeutendsten Architekten des Barock in Schweden. Das Königliche Schloss in Stockholm entstand nach seinen Plänen und er wirkte als Stockholms „stadsarkitekt“.

David Klöcker Ehrenstrahl stammte aus Hamburg und arbeitete als Sekretär in der schwedischen Friedensdelegation. Dabei entdeckte Feldmarschall Carl Gustav Wrangel sein Talent für Malerei. 1652 reiste Klöcker im Auftrag Wrangels nach Schweden, wo er zunächst in dessen Schloss Skokloster arbeiten sollte, dort entstanden erste bekannte Malereien. Ab 1653 förderte Königinwitwe Maria Eleonora den jungen Maler und ermöglichte ihm 1655, eine Studienreise durch Europa. Vier Jahre später kehrte er über Paris und London zurück in den Norden, wo er zum „hovkonterfejare“ („Hofportraitmaler“) ernannt wurde. Klöckers Aufgabe bestand darin, die Königinwitwe Hedvig Eleonora und deren Sohn zu portraitieren – und dabei die Position des künftigen Königs zu unterstreichen. Ein allegorisches Gemälde aus der Zeit der Vormundschaftsregierung zeigt die Königinwitwe auf dem Thron, während ihr die personifizierten Hoffnung, Güte und Aufrichtigkeit den jungen Karl in Obhut geben.

Nicht nur Hedvig Eleonora schätzte David Klöcker, auch die Aristokratie wusste um sein Können. Und so bekam der Maler den Auftrag, im neuerbauten Riddarhus das Deckengemälde zu malen. 1674 erfolgte die Erhebung in den Adelsstand, wobei Klöcker den Zunamen „Ehrenstrahl“ erhielt. Unter der Regierung Karls XI., der absolut regierte, verherrlichte er die Alleinherrschaft der Monarchie.

Die „kleinen Puppe“ hatte sich zu einer einflussreichen und respekteinflößenden

Hedvig Eleonora und ihre Familie

Hedvig Eleonora gemalt von David von Krafft

Frau entwickelt. Obgleich sie politisch nicht viel Einfluss besaß, war sie für ihren Sohn und ihre Enkel eine wichtige Bezugsperson. Sie wird als dominant und bestimmend beschrieben, dennoch war sie wegen ihrer Lebensfreude und ihres Humors beliebt. Da weder Karl XI. noch Karl XII. besonderes Interesse am höfischen Leben hatten, oblag es Hedvig Eleonora die Kultur am Hofe zu pflegen – und das tat sie. Im Alter von 79 verstarb Hedvig Eleonora im Jahr 1715. Den frühen Tod ihres Enkels Karl XII. erlebte sie nicht mehr, ebensowenig den Niedergang der Großmacht Schweden. In Erinnerung bleibt sie als eine wichtige Förderin von Kunst und Kultur in Schwedens „stormaktstid“. Ihr zu Ehren gab es im vergangenen Jahr verschiedenen Ausstellungen: Hedvig Eleonora – den svenska barockens drottning

 

Quellen und Literatur:

Stellan Dahlgren, Hedvig Eleonora. In: Svenskt Biografiskt Lexikon, Band 18 (1969-1971), sida 51.

Link: Hedvig Eleonora, http://sok.riksarkivet.se/sbl/artikel/12760, Svenskt biografiskt lexikon (art av Stellan Dahlgren) hämtad 2016-01-16.

Hedvig Eleonora – Eine Königin im Zeitalter des Barock

Teil I

Im vergangenen Jahr jährte sich am 24. November der Todestag der schwedischen Königin Hedvig Eleonora zum 300. Mal. Beinahe hätte diese Prinzessin von Schleswig-Holstein-Gottorf (1636 -1715) den Herzog von Mecklenburg-Güstrow geheiratet und ihre ältere Schwester Magdalena Sibylla den König von Schweden. Doch es kam anders für die als „en skön liten dygdig och synnerligen hjärtans behaglig puppa!”(„eine schöne, kleine tugendhafte und besonders herzensgute Puppe“) beschriebene junge Frau. Weiterlesen

Helga Thoma: Ungeliebte Königin. Ehetragödien an Europas Königshöfen

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Die Autorin Helga Thoma befasst sich in ihrem Buch mit den zuweilen tragischen Konsequenzen der arrangierten royalen Ehen. In diesen Kreisen gab es selten Liebesehen, geheiratet wurde aus dynastischen und politischen Gründen. Wie es den Beteiligten dabei ging, interessierte nicht. Während bei den Männern beinahe zum guten Ton gehörte, nebenher eine Mätresse zu haben, lastete auf den Frauen der Druck, einen Thronfolger zu gebären.

Wohin das führen konnte beschreibt Helga Thoma am bekannten Beispiel Henry VIII. und seinen sechs Frauen, von denen Anna Boleyn und Katherine Howard auf dem Schafott endeten.

Die Folgen, zumeist innerhalb der Familie zu heiraten zeigen die Habsburger. Um Macht und Besitz möglichst innerhalb der eigenen Dynastie zu halten heiraten über mehrere Jahrhunderte hinweg enge Verwandte untereinander. Ein Kennzeichen davon ist die berühmte „Habsburger Unterlippe“ – an Karl II. von Spanien besonders deutlich zu sehen. Er heiratete zwei Mal, war vermutlich aber nicht in der Lage die Ehen zu vollziehen, womit er das Ende der Habsburger Herrschaft in Spanien einläutete. Die Schuld an der Kinderlosigkeit gab man allerdings seinen Ehefrauen. Die erste, Marie Louise von Orléans (1662 – 1689) litt dermaßen unter der Situation und den verletzenden Kommentaren deswegen, dass sie Schwangerschaften vortäuschte.

Eine recht schwierige Ehe führten auch Elisabeth Christine von Braunschweig und Friedrich II. von Preußen. Da sein verhasster Vater, der Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. ihn in diese Verbindung gezwungen hatte, konnte sich Friedrich nie dazu durchringen, wärmere Gefühle für seine Gemahlin zuzulassen. Nach dem Tod des Vaters entsagte er dem Eheleben ganz. Elisabeth Christine war ihrem Mann durchaus zugetan und konnte sich nur schwer mit seiner Nichtachtung abfinden.

Dieses sollen nur einige Beispiele aus dem Buch „Ungeliebte Königin“ sein. Helga Thoma, die Romanistik und Germanistik studierte, stellt die verschiedenen Schicksale lesenswert und gut recherchiert dar.

 

„Ungeliebte Königin. Ehetragödien an Europas Fürstenhöfen“, Piper Verlag